BaFin

Antizyklischer Kapitalpuffer

Der antizyklische Kapitalpuffer (Countercyclical capital buffer - CCB) gilt als ein makroprudenzielles Instrument der Bankenaufsicht. Er soll dem Risiko eines übermäßigen Kreditwachstums im Bankensektor entgegen wirken. Die rechtlichen Grundlagen des Puffers finden sich insbesondere in den Artikeln 130, 135 bis 140 der Capital Requirements Directive (CRD IV), die im § 10d Kreditwesengesetz (KWG) in Verbindung mit § 64r KWG in deutsches Recht umgesetzt wurden.

Die Quote des inländischen antizyklischen Kapitalpuffers hat die BaFin mit der Allgemeinverfügung vom 28.12.2015 auf 0 Prozent festgelegt.

Auf dieser Seite:

Im Allgemeinen ermöglichen makroprudenzielle Instrumente den zuständigen Behörden, aufsichtsrechtliche Maßnahmen zur Sicherung der Finanzstabilität zu erlassen. Im konkreten Fall des antizyklischen Kapitalpuffers soll dem Risiko eines übermäßigen Kreditwachstums im Bankensektor entgegen gewirkt werden. Die Idee des antizyklischen Kapitalpuffers ist folgende: In Zeiten eines übermäßigen Kreditwachstums sollen die Banken einen zusätzlichen Kapitalpuffer aufbauen. Dieser Puffer erhöht generell die Verlustabsorptionsfähigkeit der Banken. Der Puffer darf im Krisenfall explizit aufgezehrt werden und zur Abfederung von Verlusten dienen. Dadurch soll die Entstehung einer Kreditklemme vermieden werden.

Inländischer antizyklischer Kapitalpuffer

Festgelegt wird der Wert für den inländischen antizyklischen Kapitalpuffer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Er beträgt in der Regel 0 bis 2,5 Prozent und kann in Schritten von 0,25 Prozentpunkten festgelegt werden. Soweit erforderlich, darf auch ein über 2,5 Prozent hinausgehender Wert festgelegt werden. Die Entscheidung über die Pufferfestlegung basiert auf der Analyse verschiedener Indikatoren. Insbesondere der Entwicklung der Kredit/BIP-Lücke, das heißt der Abweichung des Verhältnisses Kreditvergabe zum Bruttoinlandsprodukt von seinem langfristigen Trend, kommt hier eine entscheidende Rolle zu.

Institutsspezifischer antizyklischer Kapitalpuffer

Der für Deutschland jeweils gültige Wert ist von den Instituten bei der Berechnung des institutsspezifischen antizyklischen Kapitalpuffers einzubeziehen und dabei auf die Summe der maßgeblichen Kreditrisikopositionen anzuwenden, die in Deutschland belegen sind.

Institute, die maßgebliche Kreditrisikopositionen in anderen Ländern haben, müssen die dort gültigen antizyklischen Kapitalpuffer anteilig berücksichtigen. Als maßgebliche Kreditrisikopositionen gelten alle in § 36 der Solvabilitätsverordnung (SolvV) genannten, also grundsätzlich alle Kreditrisikopositionen gegenüber dem privaten Sektor. Der individuelle (institutsspezifische) antizyklische Kapitalpuffer ergibt sich aus dem gewichteten Durchschnitt der in- und ausländischen Kapitalpuffer. Dieser ist sodann von den Instituten als Prozentwert vom Gesamtrisikobetrag nach Art. 92 Abs. 3 der Capital Requirements Regulation (CRR) in hartem Kernkapital vorzuhalten.

Anwendung

Diese zusätzlichen Kapitalanforderungen des antizyklischen Kapitalpuffers sind seit dem 1. Januar 2016 anzuwenden. In der Aufbauphase beträgt der institutsspezifische antizyklische Kapitalpuffer:

  • höchstens 0,625 % im Jahr 2016,
  • 1,25 % im Jahr 2017 und
  • 1,875 % im Jahr 2018.

Ab dem 1. Januar 2019 sind die Anforderungen vollständig zu erfüllen.

Aktueller deutscher Puffer und Zusatzinformationen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat für Deutschland zum 01.01.2016 einen antizyklischen Kapitalpuffer von 0% festgelegt. Diese Festlegung ist von der Bundesanstalt quartalsweise zu bewerten. Basierend auf der aktuellen Datenlage hat die Bewertung ergeben, dass die festgelegte Quote in Höhe von 0% auch für das dritte Quartal 2016 angemessen ist. Eine Änderung der Festlegung kommt deshalb derzeit nicht in Betracht. Die Methodik zur Bestimmung eines angemessenen antizyklischen Puffers wird detailliert im von der deutschen Bundesbank veröffentlichten Methodenpapier dargelegt.

Die Entscheidung wird wie folgt begründet:

Die Kredit/BIP-Lücke nach der nationalen Methode liegt momentan bei einem Wert von -6,04 Prozentpunkten[PP] (Q4 2015). Dies impliziert einen Pufferrichtwert von 0%. Die Kredit/BIP-Lücke hat sich nach -6,33 PP (Q3 2015) und -6,58 PP (Q2 2015) weiter eingeengt, ist aber noch stets deutlich von 2% entfernt. Bei Werten der Kredit/BIP-Lücke von mehr als 2% würde der Pufferrichtwert größer Null sein. Ein Pufferrichtwert von 0% wird auch von der standardisierten Methode nach Basel III bestätigt. Nach der standardisierten Methode ergibt sich für das letzte verfügbare Quartal eine Kredit/BIP-Lücke von -7,41 PP (Q3 2015).

Kredit-BIP-Relation, -Trend und -Lücke Die Abbildung zeigt die Kredit/BIP-Relation, -Trend und -Lücke nach der nationalen Methode sowie den dazugehörigen Pufferrichtwert. Die linke Skala ist relevant für Kredit/BIP-Relation und -Trend. Die rechte Skala für Kredit/BIP-Lücke und den Pufferrichtwert. Die Skalierung ist jeweils in Prozent bzw. Prozentpunkten für die Kredit/BIP-Lücke. BaFin Kredit-BIP-Relation, -Trend und -Lücke

Die Hilfsindikatoren zeigen in der Gesamtheit aktuell keine Notwendigkeit zur Abweichung vom Pufferrichtwert an. Entsprechend belässt die BaFin den Wert für den antizyklischen Kapitalpuffer für das dritte Quartal 2016 bei 0%.

Werte und kurze Beschreibungen aller berücksichtigten Indikatoren finden Sie hier.

Überblick – Historische Kapitalpuffer

Anzuwenden abKapitalpufferVeröffentlichung am
01.01.20160 %15.12.2015

geändert am 27.06.2016

Fanden Sie den Beitrag hilfreich?

Wir freuen uns über Ihr Feedback