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Thema Liquiditätsanforderungen Liquiditätsanforderungen

Quantitative und qualitative Liquiditätsanforderungen

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Quantitative Liquiditätsanforderungen

Capital Requirements Regulation (CRR)

In der Capital Requirements Regulation (CRR) Teil VI werden die im Basel-III-Rahmenwerk festgelegten Liquiditätskennzahlen, nämlich die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR) in für Kreditinstitute unmittelbar geltendes Recht überführt. Die CRR selbst formuliert eine Meldeanforderung, die als Grundlage für die europäische Spezifizierung der LCR durch einen Delegierten Rechtsakt der Kommission herangezogen wurde. Dieser Rechtsakt wurde am 10. Oktober 2014 von der Europäischen Kommission verabschiedet. Damit tritt die LCR - vorbehaltlich eines möglichen Einspruchs von Rat und Parlament – als bindende Mindestgröße am 1. Oktober 2015 in der Europäischen Union in Kraft.

Die Liquiditätsdeckungsanforderung (LCR) verlangt von den Instituten, dass sie einen Liquiditätspuffer halten, der mindestens die innerhalb von 30 Tagen unter marktweiten und idiosynkratischen Stressbedingungen anfallenden Nettozahlungsabflüsse abdeckt. Die Positionen der LCR nach CRR sind seit dem 31. März 2014 monatlich zu melden. Ab dem 1 Oktober 2015 werden sie dann durch eine Meldung abgelöst, die am delegierten Rechtsakt orientiert ist.

Schrittweise Anpassung

Um es den Instituten zu erlauben, sich schrittweise an die neue Mindestanforderung anzupassen, wird die LCR im Jahr 2015 zunächst mit einem Erfüllungsgrad von 60 % eingeführt, der anschließend schrittweise angehoben wird: 2016 auf 70 %, 2017 auf 80 % und 2018 schließlich auf 100 %.

Die CRR fordert als Ergänzung ein Mindestmaß an stabiler Refinanzierung für die langfristigen Verbindlichkeiten. Die Positionen der stabilen Refinanzierung müssen die Institute ebenfalls seit dem 31. März 2014 quartalsweise melden. Die überarbeitete strukturelle Liquiditätskennzahl (NSFR) wurde am 31. Oktober 2014 vom Basler Ausschuss veröffentlicht. Ob und wie die Kennzahl in der EU eingeführt wird, muss die Europäische Kommission bis Ende 2016 entscheiden.

Kreditwesengesetz

Nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Kreditwesengesetz (KWG) muss jedes Institut seine Mittel so anlegen, dass jederzeit eine ausreichende Zahlungsbereitschaft (Liquidität) gewährleistet ist.

Verordnung über die Liquidität der Institute (LiqV)

Die Liquiditätsverordnung (LiqV) der BaFin konkretisiert die Anforderungen des § 11 Abs. 1 Satz 1 KWG. Die CRR als übergeordnetes Recht erlaubt es, die bisherigen nationalen Liquiditätsanforderungen parallel weiterzuführen, und zwar bis die LCR mit einem Erfüllungsgrad von 100 % verbindlich einzuhalten ist, also bis zum Jahr 2018. Damit gilt die LiqV auch für CRR-Kreditinstitute bis zur vollständigen Einführung der LCR. Für Nicht-CRR-Kreditinstitute gilt sie unbefristet weiter.

Die Liquidität eines Institutes ist nach der LiqV ausreichend, wenn innerhalb des auf den Meldestichtag folgenden Kalendermonats (Laufzeitband 1) die zu erwartenden Zahlungsabflüsse die verfügbaren Zahlungsmittel nicht überschreiten.

Neben der Erfüllung dieser Anforderungen müssen weitere Beobachtungskennzahlen berechnet werden, anhand derer die zu erwartenden Liquiditätsströme in den Laufzeitbändern 2 bis 4 (Zeitraum von über einem Monat bis zu einem Jahr) ersichtlich sind. Eine Öffnungsklausel in § 10 LiqV ermöglicht es einzelnen Instituten, unter bestimmten Voraussetzungen und nach Zustimmung der BaFin ein geeignetes institutseigenes Verfahren zur Messung und Steuerung des Liquiditätsrisikos zu nutzen. Institute, die ihr Liquiditätsrisiko auf diese Art begrenzen, sind davon befreit, die in der LiqV geforderten Kennzahlen einhalten und melden zu müssen.

Qualitative Liquiditätsanforderungen

Kreditwesengesetz

Nach § 25a Abs. 1 KWG muss ein Institut über eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation verfügen, die gewährleisten, dass das Institut die relevanten gesetzlichen Bestimmungen und der betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten einhält. Zu einer ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation gehört insbesondere als integraler Bestandteil ein angemessenes und wirksames Risikomanagement, auf dessen Basis ein Institut die Risikotragfähigkeit laufend sicherzustellen hat.

Mindestanforderungen an das Risikomanagement – MaRisk

Neben der Einhaltung eines quantitativen Liquiditätsstandards sind die Institute verpflichtet, auch qualitative Anforderungen an ihr Liquiditätsrisikomanagement zu erfüllen. Hierzu konkretisieren die „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ (MaRisk, Rundschreiben 10/2012 (BA)) die qualitativen Anforderungen des § 25a KWG. Danach müssen die Institute sicherstellen, dass sie jederzeit ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen können.

Allgemeine Anforderungen, die von allen Instituten einzuhalten sind, werden in Modul BTR 3.1 MaRisk beschrieben. Diese umfassen unter anderem, eine Liquiditätsübersicht zu erstellen, geeignete Stresstests durchzuführen, Notfallpläne auszuarbeiten und Erwägungen hinsichtlich Liquiditätskosten und -nutzen bei der Steuerung der Geschäftsaktivitäten zu berücksichtigen.

Kapitalmarktorientierte Institute unterliegen strengeren Anforderungen. Sie müssen darüber hinaus nach Modul BTR 3.2 zusätzlich eine ausreichende Liquiditätsreserve vorhalten, um die Zahlungsfähigkeit mit hochliquiden Vermögensgegenständen für mindestens eine Woche und mit anderen Vermögensgegenständen für mindestens einen Monat aufrechtzuerhalten.

geändert am 22.03.2016

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