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Thema Hochfrequenzhandel Algorithmischer Handel und Hochfrequenzhandel

Der algorithmische Handel, bei dem Eingabe, Änderungen und Löschungen von Aufträgen computerbasiert erfolgen, ist mit verschiedenen Risiken verknüpft. So kann zum Beispiel eine hohe Anzahl von Auftragseingaben, -änderungen oder -löschungen innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums dazu führen, dass Handelssystemen überlastet werden. Zudem können Algorithmen auf Marktereignisse reagieren und damit weitere Algorithmen auslösen, so dass ein Kaskadeneffekt entsteht und die Volatilität von Kursen steigt.

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Um diesen Risiken entgegenzuwirken, hat der Gesetzgeber gehandelt und das Gesetz zur Vermeidung von Gefahren und Missbräuchen im Hochfrequenzhandel (Hochfrequenzhandelsgesetz) erlassen. Das Gesetz ist seit dem 15. Mai 2013 in Kraft und formuliert die Regeln für den Hochfrequenz- und den algorithmischen Handel. Diese gelten sowohl für Handelsteilnehmer als auch für Handelsplätze. Das Gesetz orientiert sich an den neuen europäischen Regelungen zum algorithmischen Handel und Hochfrequenzhandel, die aufgrund der Überarbeitung der Finanzmarktrichtlinie vorgesehen sind.

Hochfrequenzhandel

Der Hochfrequenzhandel ist Teil des algorithmischen Handels. Er zeichnet sich durch eine hohe Anzahl von Auftragseingaben, änderungen oder löschungen innerhalb von Mikrosekunden aus. Hochfrequenzhändler suchen die unmittelbare Nähe zum Server des Handelsplatzes, um sich durch den kurzen Weg der Signale Geschwindigkeitsvorteile zu verschaffen.
Das Hochfrequenzhandelsgesetz enthält im Wesentlichen die folgenden Regelungen:

Erlaubnispflicht für Hochfrequenzhändler

Das Betreiben von Hochfrequenzhandel ist nach dem KWG erlaubnispflichtig. Diese Erlaubnispflicht betrifft alle unmittelbaren und mittelbaren Handelsteilnehmer an einem organisiertem Markt oder multilateralem Handelssystem (MTF) in Deutschland, die mittels hochfrequenter algorithmischer Handelstechniken handeln und dabei keine Dienstleistung für Dritte erbringen. Eine hochfrequente algorithmische Handelstechnik ist gekennzeichnet durch

  • die Nutzung von Infrastrukturen, die darauf abzielen, Latenzzeiten zu minimieren (zum Beispiel Collocation, Proximity Hosting)
  • die Entscheidung des Systems über die Einleitung, das Erzeugen, das Weiterleiten oder die Ausführung eines Auftrags ohne menschliche Intervention für einzelne Geschäfte oder Aufträge und
  • ein hohes Mitteilungsaufkommen während des Tages

Die Erlaubnispflicht zieht unter anderem bestimmte Pflichten im Hinblick auf Risikomanagement und Eigenkapital sowie Meldepflichten gegenüber der Aufsicht nach sich.

System- und Risikokontrollen

Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die algorithmischen Handel betreiben, müssen über angemessene System- und Risikokontrollen für ihre Handelssysteme verfügen (§ 33 Abs. 1a WpHG). Außerdem müssen sie wirksame Notfallvorkehrungen einsatzbereit vorhalten, damit sie mit unvorhergesehenen Störungen in ihren Handelssystemen umgehen können. Sie müssen darüber hinaus sicherstellen, dass jede Änderung eines zum Handel verwendeten Computeralgorithmus entsprechend dokumentiert wird. Die Pflicht, angemessene System- und Risikokontrollen verfügbar zu haben, gilt auch für Kapitalanlagegesellschaften und selbstverwaltende Investmentaktiengesellschaften.

Kennzeichnungspflicht

Handelsteilnehmer müssen algorithmisch generierte Aufträge kennzeichnen und dabei den hierfür verwendeten Algorithmus kenntlich machen (§ 16 Abs. 2 Nr. 3 BörsG). Nähere Regelungen zur Kennzeichnung enthalten die Börsenordnungen, die der Genehmigung der Börsenaufsichtsbehörden der Länder bedürfen.

Das hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (Börsenaufsichtsbehörde für die Frankfurter Wertpapierbörse) hat Hinweise zur Kennzeichnung von Handelsalgorithmen veröffentlicht.

Angemessenes Order-Transaktionsverhältnis

Handelsteilnehmer müssen über diese Bestimmungen hinaus ein angemessenes Order-Transaktionsverhältnis gewährleisten, um Risiken für den ordnungsgemäßen Börsenhandel zu vermeiden (§ 26a BörsG). Auch hierzu enthalten die Börsenordnungen nähere Details. Die Eurex hat entsprechende Hinweise zur Implementierung des Order-Transaktionsverhältnisses veröffentlicht.

Weitere Regelungen

Neben den genannten Regelungen nennt das Gesetz weitere Pflichten für Handelsplätze. Sie betreffen die Erhebung von separaten Entgelten oder Gebühren bei übermäßiger Nutzung der Börsensysteme, die Festlegung einer angemessenen Größe der kleinstmöglichen Preisänderung und zu Volatilitätsunterbrechern. Das Gesetz stellt zudem klar, dass auch Handelspraktiken, die Computeralgorithmen beinhalten, unter bestimmten Voraussetzungen Marktmanipulationen darstellen können. Schließlich enthält das Gesetz Auskunftsbefugnisse für die Aufsichtsbehörden im Hinblick auf den algorithmisch betriebenen Handel.

geändert am 30.03.2016

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