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Thema Hochfrequenzhandel Algorithmischer Handel und Hochfrequenzhandel

Der algorithmische Handel, bei dem Eingabe, Änderungen und Löschungen von Aufträgen computerbasiert erfolgen, ist mit verschiedenen Risiken verknüpft. So kann zum Beispiel eine hohe Anzahl von Auftragseingaben, -änderungen oder -löschungen innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums dazu führen, dass Handelssystemen überlastet werden. Zudem können Algorithmen auf Marktereignisse reagieren und damit weitere Algorithmen auslösen, so dass ein Kaskadeneffekt entsteht und die Volatilität von Kursen steigt.

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Neue Anzeigepflicht für das Betreiben von algorithmischem Handel und das Anbieten eines direkten elektronischen Marktzugangs (DEA)

Für Wertpapierdienstleistungsunternehmen gelten ab dem 03.01.2018 neue Anzeigepflichten aufgrund der Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie (Markets in Financial Instruments Directive II – MiFID II) durch das Zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz. Wertpapierdienstleistungsunternehmen sind von diesen Anzeigepflichten betroffen, wenn sie algorithmischen Handel im Sinne des § 80 Absatz 2 Satz 1 WpHG (Fassung ab 3. Januar 2018) betreiben, oder wenn sie gemäß § 2 Absatz 30 WpHG (Fassung ab 3. Januar 2018) einen direkten elektronischen Zugang (Direct Electronic Access - DEA) zu einem Handelsplatz anbieten. Die Anzeigen sind zum einen gegenüber der Behörde abzugeben, die für die Beaufsichtigung der betroffenen Wertpapierdienstleistungsunternehmen zuständig ist. Zum anderen sind die Anzeigen auch an die Behörden zu übermitteln, die für die Aufsicht über die betroffenen Handelsplätze zuständig sind.

Daher sind Wertpapierdienstleistungsunternehmen in folgenden Fällen gegenüber der BaFin anzeigepflichtig:

Die Wertpapierdienstleistungsunternehmen werden von der BaFin beaufsichtigt und bieten einen DEA zu einem Handelsplatz an oder betreiben algorithmischen Handel. In diesem Fall ergibt sich die Anzeigepflicht aus den §§ 77 Absatz 2 Satz 1 und 80 Absatz 2 Satz 5 WpHG (Fassung ab 3. Januar 2018).

Die Wertpapierdienstleistungsunternehmen sind Mitglied oder Teilnehmer eines multilateralen Handelssystems (MTF) oder eines organisierten Handelssystems (OTF), das von der BaFin beaufsichtigt wird, und bieten zu diesem MTF oder OTF einen DEA an oder betreiben dort algorithmischen Handel. In diesen Fällen können von der Anzeigepflicht gegenüber der BaFin auch solche Unternehmen betroffen sein, die nicht unter der Aufsicht der BaFin stehen. Für diese Unternehmen kann sich die Anzeigepflicht aus den Vorschriften anderer EU-Mitgliedsstaaten ergeben, die Artikel 17 Absatz 2 Unterabsatz 1 und Artikel 17 Absatz 5 Unterabsatz 3 MiFID II in nationales Recht umsetzen.

Die BaFin hat ein Musterformular erstellt, mit dem betroffene Wertpapierdienstleistungsunternehmen ihrer Anzeigepflicht gegenüber der BaFin nachkommen können. Das Formular ist per Email an die nachfolgenden Emailadressen zu übersenden:

Anzeige über das Betreiben von algorithmischen Handel: algoanzeige @ bafin.de

Anzeige über das Anbieten eines DEA zu einem Handelsplatz: deaanzeige @ bafin.de

Der BaFin obliegt nicht die Aufsicht über die in Deutschland ansässigen Börsen. Die Aufsicht über die Börsen wird durch die Börsenaufsichtsbehörden der Bundesländer ausgeübt. Daher müssen Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die als Handelsteilnehmer an einer deutschen Börse algorithmischen Handel betreiben oder einen DEA zu einer deutschen Börse anbieten, die Anzeige gegenüber der für die jeweilige Börse zuständigen Börsenaufsichtsbehörde abgeben. Von der Anzeigepflicht gegenüber den Börsenaufsichtsbehörden können auch solche Unternehmen betroffen sein, für die sich die Anzeigepflicht aus den Vorschriften anderer EU-Mitgliedsstaaten ergibt, die Artikel 17 Absatz 2 Unterabsatz 1 und Artikel 17 Absatz 5 Unterabsatz 3 MiFID II in nationales Recht umsetzen.

Über das Anzeigeverfahren bei den Börsenaufsichtsbehörden informieren die in Deutschland ansässigen Börsen ihre jeweiligen Handelsteilnehmer voraussichtlich mittels eines entsprechenden Rundschreibens.

Weitere Informationen zum Anzeigeverfahren bei den Börsenaufsichtsbehörden können über die nachfolgend aufgeführten Links abgerufen werden. Fragen zum Anzeigeverfahren bei diesen Behörden können an die aufgeführten Emailadressen gerichtet werden.

Börsenaufsichtsbehörden:

Börsenaufsichtsbehörde Baden-Württemberg: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Börsenaufsicht Bayern: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie (Email: algoanzeige @ stmwi.bayern.de und deaanzeige @ stmwi.bayern.de )

Börsenaufsichtsbehörde Berlin: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Börsenaufsichtsbehörde Hamburg: Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

Börsenaufsichtsbehörde Hessen: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (https://service.hessen.de/html/9496.htm )

Börsenaufsichtsbehörde Niedersachsen: Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Börsenaufsichtsbehörde Nordrhein-Westfalen: Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen (Email: V-BoersenaufsichtNRW @ fm.nrw.de )

Börsenaufsichtsbehörde Sachsen: Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Hochfrequenzhandel

Um den mit dem algorithmischen Handel und den mit dem Hochfrequenzhandel verbundenen Risiken entgegenzuwirken, hat der Gesetzgeber gehandelt und das Gesetz zur Vermeidung von Gefahren und Missbräuchen im Hochfrequenzhandel (Hochfrequenzhandelsgesetz) erlassen. Das Gesetz ist seit dem 15. Mai 2013 in Kraft und formuliert die Regeln für den Hochfrequenz- und den algorithmischen Handel. Diese gelten sowohl für Handelsteilnehmer als auch für Handelsplätze. Das Gesetz orientiert sich an den neuen europäischen Regelungen zum algorithmischen Handel und Hochfrequenzhandel, die aufgrund der Überarbeitung der Finanzmarktrichtlinie vorgesehen sind.

Der Hochfrequenzhandel ist Teil des algorithmischen Handels. Er zeichnet sich durch eine hohe Anzahl von Auftragseingaben, änderungen oder löschungen innerhalb von Mikrosekunden aus. Hochfrequenzhändler suchen die unmittelbare Nähe zum Server des Handelsplatzes, um sich durch den kurzen Weg der Signale Geschwindigkeitsvorteile zu verschaffen.
Das Hochfrequenzhandelsgesetz enthält im Wesentlichen die folgenden Regelungen:

Erlaubnispflicht für Hochfrequenzhändler

Das Betreiben von Hochfrequenzhandel ist nach dem KWG erlaubnispflichtig. Diese Erlaubnispflicht betrifft alle unmittelbaren und mittelbaren Handelsteilnehmer an einem organisiertem Markt oder multilateralem Handelssystem (MTF) in Deutschland, die mittels hochfrequenter algorithmischer Handelstechniken handeln und dabei keine Dienstleistung für Dritte erbringen. Eine hochfrequente algorithmische Handelstechnik ist gekennzeichnet durch

  • die Nutzung von Infrastrukturen, die darauf abzielen, Latenzzeiten zu minimieren (zum Beispiel Collocation, Proximity Hosting)
  • die Entscheidung des Systems über die Einleitung, das Erzeugen, das Weiterleiten oder die Ausführung eines Auftrags ohne menschliche Intervention für einzelne Geschäfte oder Aufträge und
  • ein hohes Mitteilungsaufkommen während des Tages

Die Erlaubnispflicht zieht unter anderem bestimmte Pflichten im Hinblick auf Risikomanagement und Eigenkapital sowie Meldepflichten gegenüber der Aufsicht nach sich.

System- und Risikokontrollen

Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die algorithmischen Handel betreiben, müssen über angemessene System- und Risikokontrollen für ihre Handelssysteme verfügen (§ 33 Abs. 1a WpHG). Außerdem müssen sie wirksame Notfallvorkehrungen einsatzbereit vorhalten, damit sie mit unvorhergesehenen Störungen in ihren Handelssystemen umgehen können. Sie müssen darüber hinaus sicherstellen, dass jede Änderung eines zum Handel verwendeten Computeralgorithmus entsprechend dokumentiert wird. Die Pflicht, angemessene System- und Risikokontrollen verfügbar zu haben, gilt auch für Kapitalanlagegesellschaften und selbstverwaltende Investmentaktiengesellschaften.

Kennzeichnungspflicht

Handelsteilnehmer müssen algorithmisch generierte Aufträge kennzeichnen und dabei den hierfür verwendeten Algorithmus kenntlich machen (§ 16 Abs. 2 Nr. 3 BörsG). Nähere Regelungen zur Kennzeichnung enthalten die Börsenordnungen, die der Genehmigung der Börsenaufsichtsbehörden der Länder bedürfen.

Das hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (Börsenaufsichtsbehörde für die Frankfurter Wertpapierbörse) hat Hinweise zur Kennzeichnung von Handelsalgorithmen veröffentlicht.

Angemessenes Order-Transaktionsverhältnis

Handelsteilnehmer müssen über diese Bestimmungen hinaus ein angemessenes Order-Transaktionsverhältnis gewährleisten, um Risiken für den ordnungsgemäßen Börsenhandel zu vermeiden (§ 26a BörsG). Auch hierzu enthalten die Börsenordnungen nähere Details. Die Eurex hat entsprechende Hinweise zur Implementierung des Order-Transaktionsverhältnisses veröffentlicht.

Weitere Regelungen

Neben den genannten Regelungen nennt das Gesetz weitere Pflichten für Handelsplätze. Sie betreffen die Erhebung von separaten Entgelten oder Gebühren bei übermäßiger Nutzung der Börsensysteme, die Festlegung einer angemessenen Größe der kleinstmöglichen Preisänderung und zu Volatilitätsunterbrechern. Das Gesetz stellt zudem klar, dass auch Handelspraktiken, die Computeralgorithmen beinhalten, unter bestimmten Voraussetzungen Marktmanipulationen darstellen können. Schließlich enthält das Gesetz Auskunftsbefugnisse für die Aufsichtsbehörden im Hinblick auf den algorithmisch betriebenen Handel.

geändert am 13.12.2017

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