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Thema Fintech Robo-Advice und Auto-Trading – Plattformen zur automatisierten Anlageberatung und automatischem Trading

Der Betreiber einer Plattform zur automatisierten Anlageberatung bietet Kunden oder Interessenten die Möglichkeit, einen Anlagevorschlag, ein Musterportfolio oder eine Anlageempfehlung zu erhalten. Dies geschieht meist ohne vorherige Registrierung auf Grundlage persönlicher Angaben.

Auf dieser Seite:

Darstellung des Geschäftsmodells

Tätigkeit einer Plattform zur automatisierten Anlageberatung und automatischem Trading BaFin Robo-Advice

  1. Die Kunden oder Interessenten beantworten einen webbasierten Katalog mit Fragen zu ihren persönlichen Umständen sowie ihren anlagerelevanten Kenntnissen und Handelserfahrungen. Manche Betreiber stellen darüber hinaus Fragen zur persönlichen Risikotragfähigkeit, also in welchem Rahmen Verluste bei der Geldanlage verkraftet werden können. Gegebenenfalls werden Kunden zu ihren persönlichen Anlagezielen befragt, also ob die Geldanlage beispielsweise der Altersvorsorge oder der Ausbildung der Kinder dienen soll.
  2. Auf Basis dieser Angaben wird durch einen Algorithmus dann ein Anlagevorschlag, ein Musterportfolio oder eine Anlageempfehlung erstellt. Der Grad der Standardisierung kann dabei zwischen verschiedenen Plattformen stark variieren.

Teilweise kann der Anlagevorschlag dann auch auf den Plattformen umgesetzt werden. Dies erfolgt oftmals erst nach einer Registrierung und Eröffnung eines Wertpapierdepots.

Vergütet wird die Leistung entweder provisionsbasiert oder anhand eines honorarbasierten Modells, beispielsweise durch einen monatlichen Pauschalbetrag, in dem sämtliche Dienstleistungen des Anbieters enthalten sind.

Erlaubnispflicht

Robo-Advice mit dem beschriebenen Geschäftsmodell zu erbringen, setzt häufig voraus, dass erlaubnispflichtige Finanzdienstleistungen erbracht werden. Dies können Anlageberatung und Anlage- oder Abschlussvermittlung sein, ggf. auch Finanzportfolioverwaltung. Daher ist Robo-Advice im Regelfall ohne eine vorherige Erlaubnis nach § 32 KWG untersagt. Es gibt jedoch zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, so dass eine pauschale Zuordnung zu einer erlaubnispflichtigen Tätigkeit schwierig ist. Die aufsichtsrechtliche Bewertung hängt daher stark davon ab, wie eine bestimmte Plattform gestaltet ist und welche vertraglichen Vereinbarungen mit den Nutzern getroffen werden.

Anlageberatung

Eine erlaubnispflichtige Anlageberatung gemäß § 1 Abs. 1a S. 2 Nr. 1a KWG ist gegeben, wenn eine persönliche Empfehlung zum Kaufen, Verkaufen oder Halten eines Finanzinstruments abgegeben wird, die sich auf eine Prüfung der persönlichen Umstände des Anlegers stützt oder als für ihn geeignet dargestellt wird. Für die Erlaubnispflicht spielt es keine Rolle, ob der Dienstleister sich automatisierter Prozesse bedient und auf welchem Vertriebsweg er an die potenziellen Kunden herantritt.

Robo-Advice wird in der Regel dann als erlaubnispflichtige Anlageberatung eingestuft, wenn der Kunde aufgrund seiner Angaben konkrete, auf bestimmte Finanzinstrumente bezogene Anlagevorschläge erhält (unter Nennung der genauen Bezeichnung, z.B. „Aktie Deutsche Lufthansa ISIN DE0008232125“). Dem Kunden wird dann nicht nur vorgeschlagen, wie er sein Portfolio strukturieren soll. Er erhält zusätzlich einen konkreten Vorschlag, welche Finanzinstrumente er in welcher Anzahl kaufen muss, um diese Vermögensverteilung zu erreichen.

Erhält der Kunde anhand seiner Vorgaben einen Vorschlag zur Strukturierung seines Portfolios, in dem in Prozentwerten verschiedene Anlageklassen oder Branchen aufgeführt, aber keine konkreten Finanzinstrumente genannt werden, betreibt der Robo-Advisor in der Regel keine erlaubnispflichtige Anlageberatung. Die aufsichtsrechtliche Erlaubnispflicht hängt jedoch stark vom Einzelfall ab.

Der Umfang der Kundenexploration oder deren Vollständigkeit hat grundsätzlich keinen Einfluss darauf, wie die Erlaubnispflicht beurteilt wird. Sobald eine Anlageberatung erbracht wird, also eine persönliche Empfehlung abgegeben wird, müssen die daran anknüpfenden gesetzlichen Verhaltenspflichten beachtet werden. Beispielsweise muss der Robo-Advisor im gesetzlich erforderlichen Umfang Kundenangaben erheben.

Anlagevermittlung

Bei den beschriebenen Geschäftsmodellen kann es sich außerdem um eine erlaubnispflichtige Anlagevermittlung gemäß § 1 Abs. 1a S. 2 Nr. 1 KWG handeln. Diese gilt für Anbieter, die Geschäfte über die Anschaffung und Veräußerung von Finanzinstrumenten vermitteln.

Eine Vermittlung erbringt zum einen, wer als Bote die Willenserklärung des Anlegers, die auf die Anschaffung oder die Veräußerung von Finanzinstrumenten gerichtet ist, weiterleitet. Zum anderen erfasst der Begriff den Fall, dass die Abschlussbereitschaft des Anlegers zielgerichtet gefördert wird. Empfiehlt der Robo-Advisor aufgrund einer Prüfung der persönlichen Umstände des Anlegers ein bestimmtes Finanzinstrument, betreibt er in der Regel auch eine erlaubnispflichtige Anlageberatung.

Auch hier muss immer anhand des Einzelfalls entschieden werden, ob Anlagevermittlung und/oder Anlageberatung erbracht wird, oder ob die Dienstleistung erlaubnisfrei ist.

Abschlussvermittlung

Alternativ zur Anlageberatung kann auch eine Abschlussvermittlung vorliegen, die ebenfalls erlaubnispflichtig ist. Während der Anlagevermittler als Bote die Willenserklärung des Kunden an den Veräußerer bzw. Erwerber der Finanzinstrumente übermittelt, gibt der Abschlussvermittler eine eigene Willenserklärung als Vertreter seines Kunden ab.

Zur erlaubnispflichten Finanzportfolioverwaltung siehe auch automatisierte Finanzportfolioverwaltung.

Wer eine erlaubnispflichtige Anlageberatung und/oder Anlagevermittlung bzw. Abschlussvermittlung oder Finanzportfolioverwaltung erbringt, muss auch die Verhaltenspflichten des 6. Abschnitts des WpHG erfüllen.

Häufig gestellte Fragen

Wenn ich Anlageberatung erbringe, muss ich ein Beratungsprotokoll erstellen. Wer muss das bei der automatisierten Anlageberatung unterschreiben?

Sobald eine Anlageempfehlung ausgesprochen wird, muss ein Beratungsprotokoll erstellt und vom Berater unterschrieben werden. Für Robo-Advice bedeutet das, dass die Person ermittelt werden muss, der die automatisierte Anlageberatung zugerechnet werden kann.

Welche Personen muss ich bei der automatisierten Anlageberatung als Anlageberater zum Mitarbeiter- und Beschwerderegister melden?

Wie schon bei Frage 1 gilt, dass die Person ermittelt werden muss, der die automatisierte Anlageberatung zugerechnet werden kann. Diese Person muss dann zum Mitarbeiter- und Beschwerderegister gemeldet werden.

Liegt bei meinem Geschäftsmodell auch Anlageberatung vor, wenn ich vom Kunden gar nicht alle Angaben einhole, die für eine Anlageberatung erforderlich sind?

Die Erlaubnispflicht der Anlageberatung bestimmt sich nicht danach, welche Kundenangaben eingeholt werden, sondern wie konkret die Empfehlung ist. Dabei ist auch entscheidend, ob der Dienstleister den Eindruck vermittelt, bei der Abgabe der Empfehlung die persönlichen Umstände des Anlegers berücksichtigt zu haben. Auch hier ist eine abschließende Beurteilung jeweils nur für den konkreten Einzelfall möglich.

Praktische Hinweise

Die Gesellschaften, die später Träger des Unternehmens und der Erlaubnis sein werden, sollten bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt gegründet werden. So können sie die Vorbereitungen treffen, die für eine erlaubnispflichtige Tätigkeit erforderlich sind. Beispielsweise können sie bereits Mietverträge über Geschäftsräume abschließen oder Personal einstellen. Hierbei ist zu beachten, dass die Registergerichte die Handelsregisteranmeldung einer Gesellschaft, die später die erlaubnispflichtigen Dienstleistungen erbringen soll, nur dann vornehmen dürfen, wenn ihnen die Erlaubnis nachgewiesen worden ist (§ 43 Absatz 1 KWG).

Grundlegende Hinweise, wie ein Antrag auf Erlaubniserteilung gestellt werden muss: Merkblatt über die Erteilung einer Erlaubnis zum Erbringen von Finanzdienstleistungen gemäß § 32 Absatz 1 KWG

Auch wenn Sie bzw. Ihr Vorhaben einer Erlaubnis nach § 32 KWG nicht bedürfen bzw. der Aufsicht der BaFin nicht unterfallen, kann eine Erlaubnispflicht bestehen, und es können sich rechtliche Anforderungen nach anderen Gesetzen ergeben, insbesondere der Gewerbeordnung – zumeist nach § 34f. Hierzu erhalten Sie Hinweise bei den meisten der zuständigen Gewerbeämter oder Industrie- und Handelskammern des Bundeslandes, in dem Sie Ihr Vorhaben umsetzen wollen – z.B. die IHK Frankfurt am Main.

Allgemeine Fragen zu Marketing und Werbung im Internet mit Bezug zu erlaubnispflichtigen Tätigkeiten finden Sie im Abschnitt BT 3 des Rundschreibens 4/2010 (WA) - MaComp.

geändert am 07.04.2016

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