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Thema Fintech Automatisierte Finanzportfolioverwaltung

Die automatisierte Finanzportfolioverwaltung macht den Anbietern des klassischen Asset-Managements zunehmend Konkurrenz.

Auf dieser Seite:

Darstellung des Geschäftsmodells

Ablauf der automatischen Finanzportfolioverwaltung BaFin Automatisierte Finanzportfolioverwaltung

  1. Bei der automatisierten Finanzportfolioverwaltung beantworten die Kunden – wie auch bei Robo-Advisory-Plattformen – einen webbasierten Fragenkatalog. Darin geben sie dem Anbieter Auskunft zu ihren persönlichen Umständen, ihren Anlagezielen sowie anlagerelevanten Kenntnissen und Handelserfahrungen. Basierend darauf erstellt ein Algorithmus eine Anlagestrategie oder ein Musterportfolio. Im Unterschied zu den Robo-Advisory-Plattformen erhält der Kunde jedoch nicht nur eine einmalige Anlageempfehlung. Vielmehr verwaltet der Vermögensverwalter das Anlageportfolio fortlaufend, und zwar nach Maßgabe der Parameter, die Verwalter und Kunde in den Anlagerichtlinien vereinbart haben. Die Vorschläge zur Änderung der Zusammensetzung des Portfolios basieren hierbei ebenfalls auf einem Algorithmus. Umgesetzt werden die Vorschläge allerdings bisher meistens manuell. Die dem Kunden empfohlene Anlagestrategie setzt in der Regel auf ETF (Exchange Traded Funds). Diese Finanzinstrumente werden gerne eingesetzt, um die Anlageziele und Risikopräferenzen des Kunden sowie die Chancen- bzw. Risikomerkmale eines Portfolios fortlaufend deckungsgleich zu halten.
  2. Das Depot des Kunden muss bei einer Depotbank oder Verwahrstelle im Sinne des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) liegen und nicht beim Vermögensverwalter selbst. Das Mandat des Verwalters umfasst daher nur die Betreuung des Kundenportfolios, jedoch nicht seine Verwahrung. Die Verwaltung und Verwahrung von Finanzinstrumenten durch den Verwalter selbst löst in aller Regel weitere Erlaubnispflichten aus, etwa für das Depotgeschäft, das Finanzkommissionsgeschäft oder das eingeschränkte Verwahrgeschäft. Dies hängt stark von der Ausgestaltung im Einzelfall ab.
  3. Zur Verwaltung des Depots erteilt der Kunde dem Verwalter eine sogenannte Dispositionsvollmacht. Mit dieser Vollmacht erhält der Verwalter einen Zugang zum Kundendepot bei der Depotbank. Er erhält jedoch keine Befugnis, sich Eigentum und Besitz an Geldern und Wertpapieren des Kunden zu verschaffen.

    Die Vergütung der Anbieter automatisierter Vermögensverwaltung wird in der Regel prozentual zum Depotvolumen ermittelt und enthält oft auch eine erfolgsabhängige Komponente.

Erlaubnispflicht

Die Erbringung der automatisierten Finanzportfolioverwaltung bedarf nach § 32 Absatz 1 Kreditwesengesetz (KWG) einer Erlaubnis der BaFin. Eine erlaubnispflichtige Finanzportfolioverwaltung erbringt dabei, wer einzelne, in Finanzinstrumenten angelegte Vermögen seiner Kunden im Rahmen des ihm eingeräumten Ermessens verwaltet, auch wenn er dabei Dritte einschaltet. (Siehe dazu § 1 Absatz 1a Satz 2 Nummer 3 KWG). Im Unterschied zu Robo-Advice erschöpft sich die automatisierte Finanzportfolioverwaltung nicht in einer einmaligen Anlageempfehlung, sondern zeichnet sich durch eine gewisse Dauerhaftigkeit aus. Die Umsetzung von Anlageentscheidungen obliegt nicht dem Kunden, sondern wird vom Verwalter erledigt.

Dem Vermögensverwalter muss bei seiner Tätigkeit ein Entscheidungsspielraum zustehen. Dieser Spielraum fehlt insbesondere dann, wenn der Verwalter eine von ihm getroffene Anlageentscheidung erst dann umsetzen kann, nachdem ihr der Kunde ausdrücklich zugestimmt hat. Entscheidend ist also, ob die Anlageentscheidungen auf dem eigenen Ermessen des Vermögensverwalters beruhen und von diesem auch so durchgeführt werden können.

Das verwaltete Vermögen muss in Finanzinstrumenten angelegt sein. Der Begriff der Finanzinstrumente wird in § 1 Absatz 11 KWG definiert und umfasst Aktien, Vermögensanlagen im Sinne des Vermögensanlagengesetzes, Schuldtitel, sonstige Rechte, Anteile an Investmentvermögen im Sinne des Kapitalanlagegesetzbuchs, Geldmarktinstrumente, Devisen und Rechnungseinheiten sowie Derivate.

Häufig gestellte Fragen

Eignung für den Kunden

Frage 1: Wer Finanzportfolioverwaltung erbringt, darf seinen Kunden nur eine geeignete Form der Vermögensverwaltung empfehlen. Wie wird beurteilt, ob die Finanzportfolioverwaltung geeignet ist?

Antwort: Die Geeignetheit der Finanzportfolioverwaltung beurteilt sich danach, ob die dem Kunden empfohlene Anlagestrategie und die hieraus erwachsenden Anlagerisiken den Anlagezielen des Kunden entsprechen. Außerdem müssen sie für den Kunden, seinen Anlagezielen entsprechend, finanziell tragbar sein. Entscheidend ist des Weiteren, ob der Kunde mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen die Anlagerisiken verstehen kann, die aus der empfohlenen Vermögensverwaltung erwachsen.

Geschäftsleiter

Frage 2: Welche Anforderungen an die fachliche Eignung von Geschäftsleitern müssen die Vermögensverwalter erfüllen?

Antwort: Vermögensverwalter benötigen neben theoretischen Kenntnissen ausreichende praktische Kenntnisse im Bereich der Finanzportfolioverwaltung und Leitungserfahrung. Die praktischen Kenntnisse und Leitungserfahrung müssen sie durch einschlägige Berufserfahrung nachweisen. Diese muss den Vermögensverwalter insbesondere dazu befähigen, Anlageentscheidungen für Kunden im Rahmen eines bestehenden Ermessensspielraums so zu treffen, dass sie den Anlagezielen seiner Kunden entsprechen und nur mit solchen Anlagerisiken einhergehen, die für seine Kunden finanziell tragbar sind.

Mindestkapital

Frage 3: Welche Mindestkapitalvorschriften gelten für Vermögensverwalter?

Antwort: Vermögensverwalter, die nicht befugt sind, sich Eigentum und Besitz an Kundengeldern zu verschaffen, müssen ein Anfangskapital in Höhe von 50.000 Euro vorhalten. Sie müssen des Weiteren die Eigenmittelanforderungen einhalten, die sich aus der Capital Requirements Regulation (CRR) ergeben. Dies sind eine harte Kernkapitalquote von 4,5 %, eine Kernkapitalquote von 6 % und eine Gesamtkapitalquote von 8 %. Eine wichtige Rolle bei der Berechnung der Kapitalquoten spielt die Höhe der fixen Gemeinkosten des jeweiligen Vermögensverwalters.

Praktische Hinweise

Zur Durchführung der Vorbereitungen im Vorfeld einer erlaubnispflichtigen Tätigkeit sollen die Gesellschaften, die später Träger des Unternehmens und der Erlaubnis sein werden, oftmals bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt gegründet werden (um z.B. bereits Mietverträge über Geschäftsräume abzuschließen oder Personal einzustellen). Hierbei ist zu beachten, dass die hierzu ggf. erforderliche Handelsregisteranmeldung einer Gesellschaft, die später die erlaubnispflichtigen Dienstleistungen erbringen soll von den Registergerichten nur dann vorgenommen werden darf, wenn dem Registergericht die Erlaubnis nachgewiesen worden ist (§ 43 Absatz 1 KWG).

Grundlegende Hinweise zur Stellung eines Antrages auf Erlaubniserteilung finden Sie im gemeinsamen Merkblatt der BaFin und der Bundesbank über die Erteilung einer Erlaubnis zum Erbringen von Finanzdienstleistungen gemäß § 32 Absatz 1 KWG.

geändert am 13.04.2016

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