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Thema Investmentfonds Sitz und Hauptverwaltung in Deutschland

Wer als Kapitalverwaltungsgesellschaft mit satzungsmäßigem Sitz und Hauptverwaltung in Deutschland Investmentvermögen verwalten möchte, benötigt die schriftliche Erlaubnis der BaFin oder muss sich bei der BaFin registrieren. Von der Verwaltung eines Investmentvermögens wird gesprochen, wenn mindestens die Portfolioverwaltung oder das Risikomanagement erbracht wird.

Investmentvermögen unterteilen sich in OGAW und AIF. Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapiere (OGAW) sind Investmentvermögen, die die Anforderungen der Richtlinie 2009/65/EG (OGAW-Richtlinie) erfüllen. Alle übrigen Investmentvermögen sind AIF. Dementsprechend gibt es OGAW-Kapitalverwaltungsgesellschaften und AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaften. Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft kann auch beide Formen des Investmentvermögens verwalten, sofern sie die Anforderungen, die für beide Formen gelten, erfüllt.

Welche Angaben und Unterlagen einem Antrag auf Erlaubniserteilung für eine OGAW-Kapitalverwaltungsgesellschaft bzw. eine AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaft beigefügt sein müssen, sowie weitere Hinweise zur Erlaubniserteilung finden Sie im Merkblatt zum Erlaubnisverfahren für eine OGAW-Kapitalverwaltungsgesellschaft bzw. im Merkblatt zum Erlaubnisverfahren für eine AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaft.

Unter bestimmten Umständen genügt es, wenn sich AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaften bei der BaFin lediglich registrieren. AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaften haben ihren satzungsmäßigen Sitz und ihre Hauptverwaltung in Deutschland und verwalten Alternative Investmentfonds (AIF).

Eine Registrierung genügt für AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaften, wenn

  1. sie ausschließlich Spezial-AIF verwalten und die verwalteten Vermögensgegenstände insgesamt den Wert von 100 Millionen Euro mit dem Einsatz von Leverage oder 500 Millionen Euro ohne den Einsatz von Leverage nicht übersteigen, wobei im letzteren Fall den Anlegern keine Rücknahmerechte innerhalb von fünf Jahren nach Tätigung der ersten Anlage ausüben können; oder
  2. sie in Deutschland aufgelegte geschlossene Publikums-AIF verwaltet, deren Anteile von nicht mehr als fünf natürlichen Personen gehalten werden und deren Vermögensgegenstände mit Leverage insgesamt den Betrag von fünf Millionen Euro nicht übersteigen; oder
  3. sie direkt oder indirekt geschlossene in Deutschland aufgelegte geschlossene AIF verwaltet, unter denen auch Publikums-AIF sind und deren Vermögensgegenstände mit Leverage insgesamt nicht den Betrag von 100 Millionen Euro übersteigen.

Bei einem offenen AIF können dessen Aktien oder Anteile vor Beginn der Liquidations- oder Auslaufphase aus den Vermögenswerten des AIF zurückgekauft oder zurückgenommen werden und zwar nach den Verfahren und mit der Häufigkeit, wie sie in den Anlagebedingungen oder der Satzung, dem Prospekt oder den Emissionsunterlagen festgelegt sind.

Besteht diese Möglichkeit nicht, handelt es sich um einen geschlossenen AIF.

Weitere Informationen zu den Unterschieden zwischen Kapitalverwaltungsgesellschaften mit Erlaubnis und solchen, die lediglich registriert sind, finden Sie in unserem Fachartikel aus dem BaFinJournal Juli 2015.

geändert am: 28.11.2017

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