BaFin

Privathaftpflichtversicherung auf einen Blick

Die Privathaftpflichtversicherung kann Schutz für die Fälle bieten, bei denen Sie auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden. Nicht jeder Schaden ist erfasst, sondern nur der Schaden, der darauf beruht, dass Sie aufgrund von gesetzlichen Haftungsbestimmungen des Zivilrechts in Anspruch genommen werden.

Auf dieser Seite:

Beschreibung

Der Versicherer hat die Aufgabe, berechtigte Ansprüche gegen Sie zu erfüllen (also für den Schaden aufzukommen) und unbegründete Forderungen auf Schadensersatz abzuwehren.

Thema Frage Erläuterung
Mögliche Ziele Wozu dient die Privathaftpflicht? Mit einer Privathaftpflichtversicherung sind Sie vor Ansprüchen geschützt, die sich für Sie als Privatperson aus den Gefahren des täglichen Lebens ergeben können. Jeder kann im privaten Bereich einen Schaden verursachen. Zu diesen Gefahren des Alltags gehört beispielsweise nicht nur, dass der Fußball Ihres Sohnes unbeabsichtigt in Nachbars Fensterscheibe landet. Schließlich nehmen Sie als Fußgänger oder Radfahrer ebenfalls am Straßenverkehr teil und können so einen folgenschweren Unfall mit einem Schaden in Millionenhöhe verursachen. An dieser Stelle springt die Privathaftpflichtversicherung ein, und zwar bis zur Höhe der vertraglich festgelegten Versicherungssumme. Verursacht dagegen ein Autofahrer einen Unfall, greift allein die Kfz-Haftpflichtversicherung.
Risiken Welche Probleme können entstehen?
  • Vorsatz: Wenn Sie als Versicherungsnehmer oder als mitversicherter Angehöriger vorsätzlich einen Schaden verursacht haben, greift die Privathaftpflichtversicherung nicht. Bei grob fahrlässigem Handeln kann das Versicherungsunternehmen seine Leistung kürzen. Um wieviel die Versicherungsleistung gekürzt wird, richtet sich danach, wie schwer das Verschulden wiegt.
  • Kinder: Vor dem vollendeten siebten Lebensjahr sind Kinder grundsätzlich nicht haftbar für einen von ihnen verursachten Schaden. Ausnahmsweise gilt für den Straßenverkehr eine Altersgrenze von unter zehn Jahren. In diesen Fällen muss dann auch die Privathaftpflichtversicherung nicht zahlen. Allerdings können Sie als Eltern verantwortlich gemacht werden, und zwar, wenn Sie Ihre Aufsichtspflicht schuldhaft verletzt haben. Dann müsste Ihre Privathaftpflichtversicherung letztlich doch für den Schaden aufkommen.
  • Schäden, die bei der Ausübung des Berufs oder eines Gewerbes entstehen, deckt die Privathaftpflichtversicherung nicht ab. Dafür müssen Sie eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, die zu Ihrer Tätigkeit passt.
  • Geliehene und gemietete Sachen: Wenn Sie sich Sachen ausleihen (z.B. die Kamera eines Freundes) oder mieten und die Sache beschädigen, müssen Sie den Schaden selbst bezahlen, da die Versicherer in der Regel dafür nicht aufkommen. Es gibt aber Versicherungstarife, die auch bei der Beschädigung von gemieteten und ausgeliehenen Sachen Schutz bieten. Teilweise sehen die Tarife einen Selbstbehalt des Versicherungsnehmers vor oder begrenzen den Versicherungsschutz in der Höhe.
  • Tiere: Schäden, für die Sie als Versicherungsnehmer oder für die mitversicherte Angehörige als Halter oder Hüter von Tieren verantwortlich gemacht werden, sind nur bei Kleintieren bis hin zu Hauskatzen versichert. Insbesondere für Hunde und Pferde benötigen Sie einen zusätzlichen Versicherungsschutz, die so genannte Tierhalterhaftpflichtversicherung.
  • Zeitwert: Ersetzt wird nur der so genannte Zeitwert. Eine Sache verliert im Laufe der Zeit durch Gebrauch und Alter an Wert. Dies wird beim Schadensersatz berücksichtigt.
  • Angehörige: Wenn Ihre Privathaftpflichtversicherung auch Kinder, Ehepartner, eingetragene Lebenspartner oder andere Angehörige einschließt, mit denen Sie in häuslicher Gemeinschaft leben, zahlt die Versicherung nicht bei Schäden, die sich diese versicherten Personen untereinander zufügen. Bei Trennung oder Scheidung sollte der Partner, der nicht Versicherungsnehmer ist, sich rechtzeitig um eigenen Versicherungsschutz bemühen. Das gilt auch, wenn ein Familienmitglied auszieht, das mit dem Versicherungsnehmer in häuslicher Gemeinschaft lebte.
  • Direktanspruch: Anders als bei der Kfz-Haftpflichtversicherung besteht in den meisten Fällen kein direkter Anspruch des Geschädigten gegen den Privathaftpflichtversicherer des Schädigers. In der Regel kann der Geschädigte auch nicht erfahren, bei welchem Unternehmen der Schädiger versichert ist. Eine Einrichtung wie der Zentralruf der Autoversicherer existiert für die Private Haftpflichtversicherung nicht. Auch die BaFin kann Ihnen hier keine Informationen beschaffen.
  • Versicherungssumme: Beachten Sie die Höhe der Versicherungssumme. Wenn die vereinbarte Versicherungssumme zu niedrig ist, weil zum Beispiel jemand so schwer verletzt worden ist, dass er erwerbsunfähig wird, kann der Schaden die Versicherungssumme schnell übersteigen. In einem solchen Fall müssten Sie als Versicherungsnehmer oder mitversicherter Angehöriger mit dem gesamten Privatvermögen für den Teil des Schadens aufkommen, der über die Versicherungssumme hinausgeht.
Nutzen Was leistet die Privathaftpflicht? Die Privathaftpflichtversicherung kommt für berechtigte Ansprüche auf. Außerdem wehrt sie unbegründete Forderungen ab, die gegen Sie als Versicherungsnehmer oder gegen mitversicherte Angehörige geltend gemacht werden. Die Privathaftpflichtversicherung hilft Ihnen, sich gegen solche Forderungen zur Wehr zu setzen.
Eigene Pflichten Was muss ich als Versicherungsnehmer beachten?
  • Ist ein Schaden eingetreten, der so genannte Versicherungsfall, müssen Sie darüber den Versicherer innerhalb einer bestimmten Frist informieren. Wie lang diese Frist ist, ergibt sich aus den Versicherungsbedingungen.
  • Erkennen Sie grundsätzlich nicht den Anspruch an, den der Geschädigte gegen Sie erhoben hat. Sprechen Sie sich zuerst mit dem Versicherer ab.
  • Wenn es im Zusammenhang mit einem von Ihnen verursachten Schaden dazu kommt, dass ein Gericht, die Staatsanwaltschaft oder eine Behörde gegen Sie ein Verfahren einleitet oder Sie einen Mahnbescheid erhalten, so müssen Sie dies Ihrem Versicherer ebenfalls innerhalb einer bestimmten Frist mitteilen. Auch diese Frist ergibt sich aus den Versicherungsbedingungen.
  • Wird der Versicherungsnehmer wegen des Schadens verklagt und es kommt zu einem Gerichtsverfahren, übernimmt es der Versicherer, den Prozess zu führen, und trägt auch die Kosten dafür.
Kündigung Was muss ich bei einer Kündigung oder bei einem Wechsel der Versicherung beachten? Mit einer Kündigungsfrist von einem bis drei Monaten zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode kann der Versicherungsvertrag von Ihnen als Versicherungsnehmer gekündigt werden, ohne dafür Gründe nennen zu müssen. Maßgeblich dafür sind die Versicherungsbedingungen.

Ist ein Versicherungsfall, nämlich ein Schaden, eingetreten, haben sowohl Sie als auch der Versicherer ein befristetes Recht, den Vertrag außerordentlich zu kündigen. Die Versicherungsbedingungen legen den Zeitraum fest, in dem außerordentlich gekündigt werden kann.

Hinweis: Wenn Sie zu einem anderen Versicherer wechseln wollen, so achten Sie wegen der Bedeutung der Privathaftpflichtversicherung unbedingt darauf, dass Sie rechtzeitig vor der Beendigung des Vertrages einen Nachfolgevertrag abschließen, um eine Versicherungslücke zu vermeiden.
Hinweis- und Veröffentlichungs-pflichten des Anbieters Welche Informationen muss der Anbieter mir zur Verfügung stellen?

Die Beratungs- und Dokumentationspflichten des Versicherers ergeben sich aus § 6 VVG.
Folgende Informationen muss der Versicherer nach § 7 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) in Verbindung mit der VVG-Informationspflichtenverordnung (VVG-InfoV) zur Verfügung stellen:

  • Produktinformationsblatt: Es enthält diejenigen Informationen für den Verbraucher, die für den Abschluss oder die Erfüllung des Versicherungsvertrags von besonderer Bedeutung sind (siehe § 4 VVG-InfoV).
  • Kundeninformation: Sie enthält Informationen zum Versicherer, zur angebotenen Leistung, zum Vertrag und zu Rechtsschutzmöglichkeiten (siehe §§ 1, 5, 6 VVG-InfoV).
  • Allgemeine Versicherungsbedingungen: Allgemeine Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung (AHB) mit den Besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen für die Privathaftpflichtversicherung (BB PHV).
Vertriebswege und Anbieter Wo kann ich eine Privathaftpflicht abschließen? Eine Privathaftpflichtversicherung können Sie beim Versicherer (z.B. in dessen Geschäftsstelle oder über das Internet) abschließen. Sie können sich auch an einen Versicherungsvermittler (Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter) wenden. Auch Vergleichsportale im Internet können dabei helfen, die passende Haftpflichtversicherung zu finden.

Wissenswertes für Verbraucher

Thema Frage Erläuterung
Typisches Kundenprofil Wer braucht die Privathaftpflicht? Auch wenn die Privathaftpflichtversicherung – anders als die Kfz-Haftpflichtversicherung – freiwillig ist, ist sie für jeden sinnvoll. Schon durch ein kleines Missgeschick kann großer Schaden angerichtet werden, für den der Schädiger prinzipiell unbeschränkt mit seinem gesamten Vermögen haftet. Angehörige bestimmter Berufe müssen eine Haftpflichtversicherung abschließen, wie zum Beispiel Anwälte, Notare und Architekten.
Steuern Sind steuerliche Aspekte relevant? Die Prämien für die Haftpflichtversicherung können Sie gegebenenfalls in der Steuererklärung geltend machen.
Aufsicht und Regulierung Wie werden Haftpflichtversicherer beaufsichtigt? Die BaFin beaufsichtigt die inländischen Versicherungsunternehmen und überwacht hierbei deren gesamten Geschäftsbetrieb. Zu den Aufgaben der BaFin gehört es auch, dafür zu sorgen, dass die rechtlichen und finanziellen Interessen der Gesamtheit der Versicherten ausreichend gewahrt bleiben. Um die Interessen der Gesamtheit der Versicherten zu schützen, nimmt die BaFin Ihre Beschwerden über einzelne Versicherungsunternehmen entgegen. Die BaFin darf nicht Ihre individuellen Rechte im Einzelfall durchsetzen. Hierfür sind die Gerichte zuständig.
Nicht regulierte Bereiche Was wird nicht beaufsichtigt oder reguliert? Qualität und Inhalt von Versicherungsverträgen prüft die BaFin nicht vorab. Sie genehmigt auch nicht die Versicherungsbedingungen.

Im Bereich der Privathaftpflichtversicherung besteht grundsätzlich Vertragsfreiheit. Das bedeutet für Sie als Kunden, dass die Versicherungsunternehmen selbst entscheiden können, ob und gegebenenfalls unter welchen Voraussetzungen sie Anträge annehmen oder ablehnen und in welchem Umfang sie Versicherungsschutz anbieten wollen.

Wenn die BaFin feststellt, dass Versicherungsbedingungen gegen (insbesondere verbraucherschützende) Gesetze oder gegen die (höchstrichterliche) Rechtsprechung verstoßen, kann sie Maßnahmen ergreifen, um einen solchen Missstand zu beseitigen oder zu verhindern.
Weitere Informationen Wo kann ich mich genauer informieren?

Hier können Sie weitere Informationen erhalten:

geändert am 01.03.2016

Fanden Sie den Beitrag hilfreich?

Wir freuen uns über Ihr Feedback

Zusatzinformationen