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Direct Investing auf einen Blick

Beim Direct Investing erwerben Sie als Kunde in der Regel unmittelbares Eigentum oder Miteigentum an einer bestimmten Sache. Das können beispielsweise Schiffscontainer oder Eisenbahnwaggons sein, aber Sie können auf diese Weise auch Eigentümer von Bäumen oder Kakaopflanzen werden. Sie nehmen bei dieser Anlageform also nicht den Umweg über ein Wertpapier oder einen Fonds, sondern kaufen direkt (Mit-)Eigentum oder wirtschaftliches Eigentum an den angebotenen Gegenständen.

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Beschreibung

Je nach Art der direkten Investition sind verschiedene Varianten denkbar: Wenn die so erworbenen Gegenstände laufend Erträge bringen, etwa durch Ernte oder Vermietung, so fließen diese Erträge direkt an Sie, den Eigentümer der Kakaopflanzen oder der Schiffscontainer. Oft vereinbaren beide Seiten auch eine Laufzeit für das Direct Investment. Am Ende dieser Periode veräußert in der Regel der Verkäufer oder ein mit ihm verbundenes Unternehmen den Gegenstand für Sie als Kunden oder kauft ihn von Ihnen zurück. Der Erlös aus Verkauf beziehungsweise Rückverkauf fließt dann – abzüglich der vereinbarten Verwaltungsgebühren – an Sie, den Kunden, zurück.

Thema Frage Erläuterung
Mögliche Ziele Wann könnte eine Anlage in ein Direct-Investing-Produkt für mich sinnvoll sein? Für eine direkte Investition in Sachwerte wird oft mit dem Argument geworben, sie sei als Ergänzung zu den anderen Anlagemöglichkeiten zu sehen, da es zu diesen keine Überschneidungen gebe. Die Anbieter locken zudem mit der Inflationssicherheit von Direct Investments.
Risiken Welche Gefahren birgt eine Anlage in ein Direct-Investing-Produkt in sich?
  • Investitionsrisiko: Beim Direct Investing ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Denn hier besteht durchaus ein Investitionsrisiko: Niemand kann und wird Ihnen garantieren, dass die beim Kauf erwarteten Erträge aus den erworbenen Sachen am Ende auch mit Sicherheit erzielt werden können – sei es während der Laufzeit durch Ernte, Vermietung oder Verpachtung oder am Ende der Anlagedauer durch Verkauf Ihrer Kakaopflanzen oder Schiffscontainer.
  • Kursrisiko: Auch eine Investition in Rohstoffe kann mit unkalkulierbaren Risiken verbunden sein. Denn genauso wie Währungen unterliegen die Preise für Rohstoffe auf dem Weltmarkt erheblichen Schwankungen, was eine Prognose zukünftiger Gewinne erschwert. Aufgrund all dieser Unsicherheitsfaktoren besteht die Gefahr, dass Sie schließlich geringere Zahlungen als erwartet erhalten oder diese im schlimmsten Fall sogar ganz ausfallen. Wenn Sie sich für ein Direct-Investing-Produkt entscheiden, ist dies immer Ihr eigenes Risiko.
  • Praktische Probleme: Auch praktische Schwierigkeiten sollten Sie vor einer Direktinvestition bedenken: Werden Sie (Mit-)Eigentümer einer weit entfernten Sache, seien dies nun Schiffscontainer oder eine Teakplantage, könnte es aufwändig werden, die Angaben des Verwalters zu überprüfen.
    Hinzu kommt, dass Sie im Falle eines Streits Ihre Ansprüche nach ausländischem Recht und vor ausländischen Gerichten und eventuell in einer fremden Sprache durchsetzen müssen. Dies ist meistens für Kleinanleger nicht nur sehr problematisch, sondern in der Regel auch noch mit erheblichen Kosten verbunden.
Nutzen Was kann mir die Anlage in ein Direct-Investing-Produkt bringen?

Je nach Art des Direct Investments können Sie aus den erworbenen Sachen als deren Eigentümer regelmäßige Miet- oder Pachteinnahmen erzielen.

Wenn der Verkäufer die von Ihnen erworbenen Gegenstände am Ende der vereinbarten Laufzeit verkauft, fließt der Veräußerungserlös, meist abzüglich der vereinbarten Verwaltungsgebühren, an Sie zurück. Es ist auch möglich, dass der Verkäufer selbst die Sache beziehungsweise Ihren Anteil daran wieder von Ihnen kauft.


Haben Sie in gefragte Rohstoffe investiert? Wenn deren Preis auf dem internationalen Markt seit Ihrem Erwerb gestiegen ist und auch alle erworbenen Gegenstände veräußert werden, kann dies zu einem Gewinn führen. Doch eine Garantie dafür haben Sie nicht.

Eigene Pflichten Welche Pflichten und Kosten kommen beim Kauf eines Direct Investments auf mich zu?

Wenn Sie sich für ein Direct Investment entscheiden, werden Sie in den meisten Fällen nicht nur einen Kaufvertrag abschließen, sondern zusätzlich noch einen Verwaltungs- oder Dienstleistungsvertrag mit dem Verkäufer oder einem mit ihm verbundenen Unternehmen. Kaufen Sie also beispielsweise einen Bestand von Mahagonibäumen, beauftragen Sie den Anbieter per Vertrag, die Bäume bis zur so genannten Schlagreife zu pflegen und dann zum bestmöglichen Preis zu verkaufen. Denn solche Aufgaben können Sie schließlich nicht selbst übernehmen!

Hinweis: Die Kosten, die hierdurch entstehen, werden in den meisten Fällen pauschal vom erzielten Veräußerungspreis abgezogen. Sie schmälern damit Ihren Erlös.

Kündigung Kann ich mein Direct Investment jederzeit wieder verkaufen?

Grundsätzlich ist es möglich, jede im Rahmen des Direct Investings erworbene Sache an einen Dritten zu übertragen. Je nachdem, wo sich diese Gegenstände befinden, kann der Eigentumsübergang nach ausländischem Recht erfolgen und wird meist mit Kosten verbunden sein.

Hinweis: Für Gegenstände, die Sie per Direct Investing erworben haben, gibt es keinen geregelten Markt wie zum Beispiel eine eigene Börse. Das kann die Veräußerung gegebenenfalls schwierig machen.

Hinweis- und Veröffent-lichungspflichten des Anbieters Welche Informationen muss mir der Anbieter zur Verfügung stellen?

Seit Inkrafttreten des Kleinanlegerschutzgesetzes fällt ein Großteil der derzeitigen Direct Investments unter das Vermögensanlagengesetz – so sieht es dessen § 1 Absatz 2 Nr. 7 vor. Damit gelten die Anforderungen an die Anbieter von Vermögensanlagen künftig auch für Direct Investments.


Vermögensanlagen beaufsichtigt die BaFin nicht; entsprechende Produkte unterliegen also nicht ihrer Kontrolle. Die Anbieter müssen jedoch grundsätzlich die Prospektpflicht erfüllen: Vermögensanlagen dürfen nur dann öffentlich angeboten werden, wenn der jeweilige Anbieter zuvor einen Verkaufsprospekt veröffentlicht hat, den die BaFin gebilligt hat. Außerdem muss er bei ihr ein Vermögensanlagen-Informationsblatt hinterlegen.


In diesem Vermögensanlagen-Informationsblatt, manchmal auch als „Beipackzettel“ bezeichnet, müssen die wesentlichen Informationen über die Vermögensanlage übersichtlich und leicht verständlich dargestellt sein, damit sich der Anleger ein umfassendes Bild von den eventuellen Risiken, den möglichen Erträgen sowie den Kosten der Anlage und sonstigen Begleitumständen machen kann.

Vertriebswege und Anbieter Wo bzw. mit wem kann ich Direct Investments tätigen? Ein Direct Investment schließen Sie als zivilrechtlichen Kaufvertrag direkt mit dem Verkäufer oder einem mit ihm verbundenen Unternehmen ab.

Wissenswertes für Anleger

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Typisches Anlegerprofil Für wen sind Direct Investments geeignet?

Nur erfahrene Anleger, die die Chancen und Risiken einer solchen Anlage auch einschätzen können, sollten sich mit einem Direct Investment befassen. Sie sollten sich vor allem bei den zum Kauf angebotenen Gegenständen und der entsprechenden Branche auskennen. Investieren Sie beispielsweise nicht in Edelhölzern, wenn Sie keine Ahnung davon haben!


Ein Direct Investment bedeutet, dass Sie sich auf eine langfristige Bindung ihres Vermögens einlassen. Fragen Sie sich, ob Sie das damit verbundene unternehmerische Risiko auf sich nehmen wollen und gegebenenfalls verkraften können. Denn Direct Investing kann zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust Ihrer Vermögensanlage oder zur Privatinsolvenz führen.


Sie sollten eine andere Anlageform wählen, wenn Sie es Ihnen um eine kurzfristige Geldanlage geht und Sie dabei keine Verluste riskieren wollen. In diesem Fall sind Direct Investments für Sie nicht geeignet.

Steuern Sind steuerliche Aspekte relevant? Bei allen Geldanlagen können Steuern anfallen. Daher sollten Sie steuerliche Aspekte berücksichtigen, bevor Sie sich für eine Anlage entscheiden. Falls Sie hierzu Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Anlageberater oder an einen Steuerberater.
Aufsicht und Regulierung Wie werden Direct Investments beaufsichtigt?

Seit Inkrafttreten des Kleinanlegerschutzgesetzes gelten die Anforderungen an die Anbieter von Vermögensanlagen auch für Direct Investments.


Es gehört nicht zu den Aufgaben der BaFin, Vermögensanlagen zu beaufsichtigen. Entsprechende Produkte kontrolliert sie auch in Zukunft nicht. Für die Anbieter von Vermögensanlagen in der Form von Direct Investments besteht aber grundsätzlich eine Prospektpflicht. Das heißt, dass eine Vermögensanlage nur dann öffentlich angeboten werden darf, wenn der Anbieter den jeweiligen Verkaufsprospekt vor der Veröffentlichung von der BaFin hat billigen lassen. Außerdem muss er das bereits genannte Vermögensanlagen-Informationsblatt bei der BaFin hinterlegen.


Die BaFin prüft dabei nur formal, ob der Verkaufsprospekt auch alle vorgeschriebenen Mindestangaben enthält. Außerdem achtet die BaFin darauf, ob der Verkaufsprospekt frei von inneren Widersprüchen und verständlich ist.

Nicht regulierte Bereiche Wo liegen die Grenzen der Aufsicht?

Emittenten und Anbieter von Direct Investments beziehungsweise Vermögensanlagen stehen meistens nicht unter der laufenden Überwachung und Aufsicht durch die BaFin. Eine Einlagensicherung existiert hierfür ebenfalls nicht.

Die BaFin nimmt keine inhaltliche Prüfung des Verkaufsprospekts vor. Auch die Richtigkeit der Angaben im Prospekt oder die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts prüft die BaFin nicht. Sie forscht nicht nach, ob die Aussagen zu Seriosität und Bonität von Anbietern, Emittenten, Initiatoren und Geschäftsleitern korrekt sind. Aus diesem Grund müssen die Verkaufsprospekte einen deutlich hervorgehobenen Hinweis dazu enthalten, dass die inhaltliche Richtigkeit der Angaben im Prospekt nicht Gegenstand der Prüfung des Prospekts durch die BaFin ist. Auch das Vermögensanlagen-Informationsblatt kontrolliert sie nicht.


Lesen Sie daher alle Unterlagen zu der Anlage, die Sie interessiert, aufmerksam durch. Versuchen Sie, sich ein möglichst umfassendes Bild von dem angebotenen Produkt und den damit verbundenen Gefahren zu machen, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

geändert am 01.03.2016

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