BaFin

Anlageberatung – Was Sie als Kunde beachten sollten

Hier erfahren Sie, wie das Beratungsgespräch mit dem Anlageberater Ihrer Bank oder Ihres Finanzdienstleisters ablaufen muss. Sie sollen einen Überblick darüber erhalten, welche Informationen Ihnen als Kunden zustehen, aber auch welche Angaben für die Beratung erforderlich sind, nach denen Sie also fragen dürfen.

Auf dieser Seite:

Wie sieht eine typische Anlageberatung aus?

Die Beratung erfolgt regelmäßig in vier Schritten:

  1. Einholen der erforderlichen Kundeninformationen
  2. Information des Kunden über alle wesentlichen Umstände
  3. Zusammenführen von Kundeninformationen und passendem Produkt
  4. Erstellen des Beratungsprotokolls

Welche Informationen sollen Sie als Kunde dem Anlageberater Ihrer Bank oder Ihres Finanzdienstleisters geben?

Ihre Anlageziele

  • Verfolgen Sie besondere Ziele mit Ihrer Anlage (z.B. Vermögensaufbau, um zu einem späteren Zeitpunkt eine Immobilie zu erwerben oder ein Studium zu finanzieren)?
  • Geht es Ihnen um Altersvorsorge, Vermögens- oder Liquiditätsaufbau oder um Spekulation?
  • Wie ist Ihre Risikobereitschaft?
  • Ist die Anlage fristgebunden?

Ihre finanziellen Verhältnisse

  • Wie hoch ist Ihr Wertpapiervermögen, wie hoch Ihr Geldvermögen?
  • Haben Sie weiteres Vermögen (z.B. Immobilien)?
  • Welche regelmäßigen Einkünfte erzielen Sie (z.B. Gehalt, Mieteinnahmen, Kapitaleinkünfte)?
  • Welche regelmäßigen Verpflichtungen haben Sie (z.B. Miete, Unterhaltszahlungen)?

Ihre Kenntnisse und Erfahrungen

  • Mit welchen Finanzinstrumenten und Finanzdienstleistungen haben Sie Erfahrung?
  • Für welchen Zeitraum?
  • Wie viele Geschäfte haben Sie in den vergangenen Jahren getätigt?
  • Welche Beträge haben Sie eingesetzt?
  • Haben Sie Erfahrung mit Kapitalanlagen in fremden Währungen?

Auch andere Einzelfragen sind möglich. Wichtig ist, dass der Anlageberater durch seine Fragen ein möglichst umfassendes Bild erhält. Daher sollten Sie gewissenhaft und ausführlich auf die Fragen antworten und Ihren Berater auf Änderungen bzw. Aktualisierungen hinweisen. Ohne Angaben zu Ihren Anlagezielen, finanziellen Verhältnissen sowie Kenntnissen und Erfahrungen kann und darf der Anlageberater Sie nicht beraten. Nur durch Ihre aktive Mitwirkung erhält Ihr Berater alle relevanten Informationen.

Welche Informationen muss Ihr Berater Ihnen geben?

Der Berater muss Sie über alle Umstände der Geldanlage informieren, die für Sie wesentlich sind. Unter anderem ist Ihr Berater verpflichtet, Ihnen vor Abschluss jedes Geschäfts in Finanzinstrumenten ein Produktinformationsblatt zukommen zu lassen. Dieses gibt Aufschluss über die wesentlichen Faktoren des jeweiligen Finanzinstruments und enthält Angaben zu:

  • Risiken
  • Art und Funktionsweise
  • Aussichten für Kapitalrückzahlung und Erträge unter verschiedenen Marktbedingungen
  • Kosten.

Seit dem 1. August 2014 muss der Berater Sie vor Beginn der Beratung auch darüber informieren, ob die Beratung als Honorar-Anlageberatung erbracht wird oder nicht.

Welche Produkte darf der Anlageberater Ihnen empfehlen?

Ihr Berater darf Ihnen nur solche Finanzinstrumente empfehlen, die im Hinblick auf Ihre Angaben für Sie geeignet sind und deren Funktionsweise und Risiken Sie verstehen können. Das empfohlene Finanzinstrument muss Ihrer Risikoneigung, Ihrem Anlagehorizont und Ihren Anlagezielen entsprechen.

Warum muss ein Beratungsprotokoll erstellt werden?

Über jede Anlageberatung muss ein Protokoll angefertigt werden. Das Beratungsprotokoll soll es Ihnen ermöglichen, vor Abschluss eines Geschäfts das Beratungsgespräch auszuwerten und auf dieser Grundlage eine fundierte Anlageentscheidung zu treffen. Unstimmigkeiten über den Inhalt des Gesprächs können Sie damit sofort aufdecken und monieren. Das Beratungsprotokoll dient Ihnen bei einer gerichtlichen oder anderen Auseinandersetzung als Beweismittel. Es liefert der BaFin außerdem wichtige Informationen über den Hergang eines Beratungsgesprächs.

Ein Protokoll muss auch dann erstellt werden, wenn Sie die Beratung mehrfach oder in regelmäßig wiederkehrenden Abständen in Anspruch nehmen. Das Beratungsprotokoll ist Ihnen unverzüglich nach Abschluss der Anlageberatung zur Verfügung zu stellen. Ein auf der Beratung beruhender Geschäftsabschluss darf von Ihrer Bank oder Ihrem Finanzdienstleister erst durchgeführt werden, nachdem Sie das Protokoll erhalten haben. Ausnahmen gelten nur dann, wenn Anlageberatung und Geschäftsabschluss telefonisch oder mithilfe eines anderen elektronischen Kommunikationsmittels erfolgen.

Welchen Inhalt muss das Protokoll haben?

  • Informationen über Ihre persönliche Situation, Ihre wesentlichen Anliegen und deren Gewichtung
  • Angaben zum Anlass und zur Dauer des Beratungsgesprächs
  • Informationen über die Finanzinstrumente und Wertpapierdienstleistungen, die Gegenstand der Anlageberatung sind
  • Empfehlungen des Anlageberaters und die für diese Empfehlungen genannten wesentlichen Gründe
  • Unterschrift des Kundenberaters

Bei telefonischer Beratung kann auf Ihren ausdrücklichen Wunsch hin das Geschäft auch vor Erhalt des Protokolls abgeschlossen werden. Stellen Sie nach Zugang des Protokolls fest, dass dieses nicht richtig oder nicht vollständig ist, haben Sie ein einwöchiges Rücktrittsrecht.

Bedenken Sie: Ihre Mitwirkung ist unerlässlich! Prüfen Sie das Ihnen ausgehändigte Protokoll sorgfältig auf seine Richtigkeit. Vor allem die Angaben über Ihre persönliche Situation, d.h. Ihre Anlageziele, Ihre finanziellen Kenntnisse und Erfahrungen sowie Ihre wirtschaftliche Situation, sollten Sie gewissenhaft lesen. Wichtig ist auch, ob die Gewichtung Ihrer Anliegen – also beispielsweise die Abwägung zwischen höheren Ertragchancen und der Sicherheit einer Anlage – richtig wiedergegeben ist. Der Protokollvordruck muss auch Freitextfelder für Ihre Angaben und die Empfehlungsgründe des Beraters enthalten, in denen individuelle Eintragungen möglich sind.

Was kann die BaFin für Sie tun?

Wenn Sie sich im Zusammenhang mit dem Kauf von Finanzinstrumenten schlecht beraten fühlen, schreiben Sie uns. Bei begründeten Beschwerden wenden wir uns an das betroffene Institut und haken nach.

Ihre Hinweise helfen uns, Verstöße gegen aufsichtliche Bestimmungen aufzudecken und dagegen vorzugehen. Lesen Sie dazu auch unsere Informationen zur Beschwerdemöglichkeit bei der BaFin.

Bitte beachten Sie jedoch: Wir können Ihre Beschwerde nur dann prüfen, wenn das betroffene Unternehmen unserer Aufsicht unterliegt. Auch kann die BaFin einzelne Streitfälle nicht verbindlich entscheiden. Die Sachverhaltsaufklärung und Beweiswürdigung in Zivilverfahren ist Aufgabe der Gerichte. Nur sie können streitige Rechtsansichten verbindlich klären und die Unternehmen zu einer Zahlung verpflichten. Zusätzlich können Sie sich auch an die Ombudsleute der Bankenverbände wenden. Ob Ihre Bank am Ombudsmannverfahren teilnimmt, erfahren Sie auf den Seiten der Verbände, oder in der Unternehmensdatenbank der BaFin. Eine Übersicht der Schlichtungsstellen finden Sie auf unserer Informationsseite zu den Finanzombudsstellen.

geändert am 31.03.2015

Fragen & Antworten

Was ist von Empfehlungen und Musterdepots in Börsenbriefen, Telefon-Hotlines etc. zu halten?

Börsenbriefe geben die Meinung ihres Verfassers wieder. Wie der Verfasser zu seiner Einschätzung gekommen ist, sollte aus dem Börsenbrief hervorgehen. Auch sollte die Einschätzung mit Fakten belegt sein, sodass Sie diese nachvollziehen können. Fehlt es an solchen Fakten und gibt der Verfasser lediglich eine nicht weiter begründete, häufig außerordentlich positive Meinung kund, sollten Sie äußerst zurückhaltend sein.

Keinesfalls sollten Sie Anlageempfehlungen, von wem auch immer, blind folgen. Lassen Sie sich auch nicht unter Zeitdruck setzen ("Kaufen Sie schnell, sonst ist die Chance vorbei."). Grundsätzlich gilt: Kaufen Sie nicht etwas, was Sie nicht verstanden haben! Machen Sie sich unbedingt selbst ein Bild von den empfohlenen Wertpapieren. Wenn Sie keine vernünftigen Informationen finden, sollten Sie die Finger von den Aktien lassen. Häufig werden in Börsenbriefen die Aktien kleiner, kaum gehandelter Unternehmen empfohlen. Die Börsenpreise dieser Aktien können sich schnell stark verändern. Dazu braucht es in der Regel nur wenige Kauf- oder Verkaufsorders. Kommt es zum Beispiel aufgrund einer Empfehlung in einem Börsenbrief zu einem "Herdeneffekt", also zum gleichzeitigen Kauf durch viele Anleger, so kann der Preis schnell in schwindelerregende Höhen schießen, nur um wenige Tage später wieder in sich zusammenzufallen. Schon viele Anleger haben auf diese Weise ihr Geld verloren.

Zu guter Letzt: Es gibt an den Wertpapiermärkten nichts geschenkt. Wo (scheinbar) hohe und schnelle Gewinne winken, gibt es immer auch ein entsprechend hohes Risiko - bis hin zum Totalverlust Ihres eingesetzten Kapitals.

Wann liegt eine Falschberatung vor?

Diese Frage stellt sich immer dann, wenn sich die von einem Wertpapierberater empfohlenen Wertpapiere später nicht wie erhofft entwickelt haben oder sogar Verluste eingetreten sind. Ob Falschberatung vorliegt, hängt vom Einzelfall ab. Entscheidend für die Beurteilung eines Ratschlages ist es, ob er im Zeitpunkt seiner Erteilung sachgerecht war. Keine Falschberatung liegt vor, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein im Zeitpunkt seiner Erteilung sachgerechter Ratschlag besser nicht oder anders gegeben worden wäre. Allein die rückblickende Feststellung, eine Geldanlage etwa in einem anderen Aktienfonds oder in Einzelaktien wäre besser gewesen, kann zu keinen Ansprüchen führen.

Muss der Dokumentationsbogen über meine Erfahrungen und Ziele mit Wertpapieren von mir unterschrieben sein?

Grundsätzlich nein. Wertpapierdienstleistungsunternehmen sind nach WpHG verpflichtet, von ihren Kunden Angaben

  • über ihre Erfahrungen und Kenntnisse in Geschäften, die Gegenstand von Wertpapierdienstleistungen sein sollen,
  • über die mit den Geschäften verfolgten Ziele und
  • über ihre finanziellen Verhältnisse

einzuholen, soweit diese zur Wahrung der Interessen des Kunden und im Hinblick auf Art und Umfang der beabsichtigten Geschäfte erforderlich sind.

Diese Informationen sollen das Unternehmen in die Lage versetzen, eine anlegergerechte Aufklärung im Interesse des Kunden zu erbringen. Die Einhaltung dieser Pflichten muss die BaFin nachvollziehen können. Zu diesem Zweck werden die Kundenangaben von den Instituten aufgezeichnet. Dazu bedienen sich die Unternehmen in der Regel standardisierter Fragebögen.

Eine Unterzeichnung der Angaben durch den Kunden ist zur Erreichung der Ziele nicht erforderlich und wird auch gesetzlich nicht verlangt.

Die Praxis bei den Banken und Sparkassen ist unterschiedlich. Einige Institute lassen die Dokumentation vom Kunden unterzeichnen und händigen ihm eine Durchschrift aus. Andere tun das nicht.

Seit Januar 2010 müssen die Banken im Fall einer Anlageberatung zu Finanzinstrumenten zusätzlich ein Beratungsprotokoll anfertigen. Das Protokoll ist von demjenigen zu unterzeichnen, der die Anlageberatung durchgeführt hat. Der Kunde muss das Protokoll - nach dem Aufsichtsrecht - nicht unterzeichnen.

Kann mich die BaFin bei meiner Anlageentscheidung beraten?

An dieser Stelle müssen wir passen. Die BaFin darf Sie nicht bei Ihren Anlageentscheidungen beraten. Für Ihre Anlageentscheidung sind Sie als Verbraucher selbst verantwortlich. Bevor Sie eine Vermögensanlage zeichnen, sollten Sie den Prospekt in aller Ruhe vollständig lesen und sicherstellen, dass Sie das Geschäftsmodell verstanden haben. Aussagen in Werbeflyern, Kurzprospekten oder Präsentationen sollten Sie kritisch hinterfragen und mit dem Prospekt abgleichen. Bedenken Sie, dass Sie nur als umfassend informierter Anleger in der Lage sind, Risiko und Rendite einer Vermögensanlage abzuwägen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Welchen Vermögensverwalter können Sie empfehlen?

Auf Grund des Neutralitätsgebots der öffentlichen Verwaltung ist es nicht möglich, solche Empfehlungen auszusprechen. Da zu einem Vermögensverwalter immer ein besonderes Vertrauensverhältnis bestehen muss, ist es empfehlenswert, vor Abschluss eines Verwaltervertrages Gespräche mit mehreren Anbietern zu führen und dabei auch die Kosten und die angebotenen Leistungen zu vergleichen.

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Bitte beachten Sie, dass Teile diese Broschüre noch nicht an die ab dem 1. Januar 2018 geltende Rechtslage angepasst sind. Eine aktuelle Auflage wird in Kürze erscheinen.