BaFin

Thema Prospekte Prospekte für Wertpapiere und Vermögensanlagen

Um sachgerechte Anlageentscheidungen treffen zu können, müssen die Anleger umfangreich und verlässlich über den Emittenten und das betreffende Wertpapier oder die betreffende Vermögensanlage informiert werden. In Deutschland dürfen Wertpapiere ab einem Gesamtgegenwert von 8 Millionen Euro und Vermögensanlagen grundsätzlich nicht ohne einen Prospekt öffentlich angeboten werden.

Der Prospekt muss spätestens einen Werktag vor dem öffentlichen Angebot veröffentlicht werden, um dem Anleger Gelegenheit zu geben, sich über die angebotenen Anlagen und deren Emittenten zu informieren. Der Prospekt darf jedoch erst veröffentlicht werden, wenn er zuvor von der BaFin gebilligt wurde.

Die BaFin prüft dabei, ob der Prospekt die gesetzlich geforderten Mindestangaben enthält und verständlich abgefasst worden ist. Zusätzlich wird sichergestellt, dass der Prospekt in sich keine widersprüchlichen Aussagen aufweist.

Die BaFin überprüft jedoch weder die Seriosität des Emittenten noch kontrolliert sie das Produkt. Hierauf müssen Emittenten von Vermögensanlagen in ihren Verkaufsprospekten sogar ausdrücklich hinweisen.

Über den Umfang der Prüfung durch die BaFin darf in Werbung nicht getäuscht werden. Gelegentlich werben Anbieter mit Aussagen wie „Prospekt bei der BaFin hinterlegt". Die BaFin missbilligt diese Art der Werbung ausdrücklich, denn sie gibt keinerlei Aufschluss über die Qualität des Angebotes bzw. des Anbieters, sondern erweckt den Eindruck, die BaFin habe die Emission mit einem Gütesiegel versehen. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Die BaFin gibt Auskunft darüber, ob bei einem öffentlichen Angebot von Wertpapieren oder Vermögensanlagen ein Prospekt bei ihr hinterlegt worden ist.

geändert am: 04.01.2019

Zusatzinformationen

Fragen & Antworten

Kann mich die BaFin bei der Durchsetzung meiner Rechte unterstützen?

Verbraucher wenden sich in Streitfällen häufig mit der Bitte an die BaFin, zwischen Anleger und Anbieter, Emittent oder Finanzanlagenvermittler zu vermitteln und sie bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen. Die BaFin darf jedoch nicht in zivilrechtliche Verhältnisse eingreifen oder einzelne Geschäfte überprüfen. Sie kann vor allem keinen Einfluss auf die gesellschaftsrechtliche Ausgestaltung einer Vermögensanlage oder eines Wertpapiers nehmen oder gesellschaftsrechtliche Entscheidungen des Emittenten überprüfen.

Erhalten Sie beispielweise als Anleger einer Vermögensanlage Ihre Ausschüttungen verspätet oder gar nicht, müssen Sie sich selbst mit den Verantwortlichen der Vermögensanlage auseinandersetzen. Dabei können Ihnen Verbraucherzentralen oder Rechtsanwälte behilflich sein. Nähere Auskünfte zu einer Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe können Sie bei der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Markgrafenstraße 66, 10969 Berlin, Tel.: 030/25800-0, Fax: 030/25800-518, Internet: www.vzbv.de, erhalten. Finanzanlagenvermittler unterliegen gemäß § 34f GewO der Aufsicht durch die zuständige Gewerbebehörde.

Welche Schwellenwerte gelten für die Prospektpflicht bei einem öffentlichen Angebot von Wertpapieren?

Nach der EU-Prospektverordnung (VO (EU) 2017/1129 – EU-ProspektVO) können die Mitgliedstaaten der EU öffentliche Angebote von Wertpapieren mit einem Gesamtgegenwert bis einschließlich 8 Millionen Euro von der Prospektpflicht befreien. Hiervon hat Deutschland Gebrauch gemacht und als Prospekt-Ersatz das Wertpapier-Informationsblatt (WIB) eingeführt. Bei öffentlichen Angeboten unterhalb eines Gesamtgegenwerts von 1 Million EUR greift schon mangels Anwendbarkeit der EU-ProspektVO keine Prospektpflicht ein. Auch hier ist aber nach deutschem Recht das WIB einschlägig.


In Deutschland wird diese Regelung wie folgt umgesetzt (vgl. §§ 3, 3a, 3c Wertpapierprospektgesetz (WpPG)):

< 100.000 Euro Gesamtgegenwertprospekt- und Wertpapier-Informationsblatt
(WIB)-frei
100.000 Euro bis < 8 Millionen Euro
Gesamtgegenwert
prospektfrei, aber WIB-pflichtig (für Angebote
mit einem Gesamtgegenwert ab 1 Million Euro
gilt ergänzend der nächste Spiegelstrich)
1 Million bis < 8 Millionen Euro
Gesamtgegenwert
WIB-pflichtig; bei Erwerb durch nicht
qualifizierte Anleger Einschaltung eines
Wertpapierdienstleistungsunternehmens, das
die Einhaltung bestimmter Erwerbsschwellen
prüfen muss
≥ 8 Millionen Euro Gesamtgegenwertprospektpflichtig

Bei Inanspruchnahme der Prospektausname nach § 3 Absatz 2 Satz 1 Nummer 6 WpPG dürfen Wertpapiere an nicht qualifizierte Anleger bei Angeboten zwischen 1 Million Euro und weniger als 8 Millionen Euro nach § 3c WpPG ausschließlich im Wege der Anlageberatung oder Anlagevermittlung über ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen vermittelt werden, wobei bestimmte Erwerbsschwellen zu beachten sind.

Außerdem besteht nach § 3 Absatz 2 Satz 1 Nummer 5 WpPG eine Ausnahme von der Prospektpflicht für öffentliche Angebote von Wertpapieren, die von CRR-Kreditinstituten oder von Emittenten, deren Aktien bereits zum Handel an einem organisierten Markt zugelassen sind, ausgegeben werden, wenn der Gesamtgegenwert für alle im EWR angebotenen Wertpapiere weniger als 5 Millionen Euro, berechnet über einen Zeitraum von zwölf Monaten beträgt. Weitere Ausnahmen finden sich im Wertpapierprospektgesetz (vgl. z.B. §§ 3, 4 WpPG).

Welchen Umfang hat die Prüfung eines Prospekts für Wertpapiere durch die BaFin?

Der Prospekt für Wertpapiere wird zum einen daraufhin überprüft, ob alle Angaben, die das Wertpapierprospektgesetz (WpPG) und die Verordnung (EG) 809/2004 vorschreiben, enthalten (Vollständigkeitsprüfung) und verständlich dargelegt sind (Verständlichkeitsprüfung). Zudem wird nachgeprüft, dass sich die im Prospekt enthaltenen Angaben nicht inhaltlich widersprechen (Kohärenzprüfung).

Eine darüberhinausgehende Prüfung, beispielsweise ob das dargelegte Geschäftsmodell schlüssig, die Renditeerwartungen des Anbieters angemessen oder die versprochene Verzinsung der Anlage marktgerecht sind, erfolgt nicht. Die BaFin überprüft weder die Seriosität des Emittenten noch kontrolliert sie das Wertpapier inhaltlich.

Wie lange dauert das Prüfungsverfahren eines Prospekts für Wertpapiere?

Das Prüfungsverfahren eines Prospekts für Wertpapiere dauert grundsätzlich zehn Werktage, wobei der Samstag als Werktag mitzurechnen ist. Eine schriftliche Billigung des Prospekts erfolgt innerhalb dieses Zeitraums jedoch nur, wenn der Prospekt in der vorgelegten Fassung billigungsfähig ist. Sofern Unterlagen unvollständig bzw. ergänzende Informationen erforderlich sind, erlässt die BaFin innerhalb der Frist von zehn Werktagen ein Anhörungsschreiben, in dem der Emittent zur Nachreichung der fehlenden Informationen aufgefordert wird. Im letzteren Fall beginnt mit Vorlage der angeforderten Angaben durch den Emittenten erneut eine Frist von zehn Werktagen zu laufen, innerhalb derer die BaFin den Prospekt zusammen mit den ergänzenden Unterlagen erneut prüft. Je nach Ergebnis erlässt die BaFin neuerlich ein Anhörungsschreiben, wodurch die Frist wieder unterbrochen wird und der Emittent die Möglichkeit hat, den Prospekt zu überarbeiten, spricht eine Billigung des Prospekts aus oder versagt endgültig die Billigung (§ 13 Absatz 2 Satz 1 und § 13 Absatz 3 Wertpapierprospektgesetz (WpPG)).

Bezieht sich das öffentliche Angebot auf Wertpapiere eines Emittenten, dessen Wertpapiere noch nicht zum Handel an einem organisierten Markt in einem Staat des EWR zugelassen sind und hat der Emittent zuvor keine Wertpapiere öffentlich angeboten, so beträgt die gesetzliche Frist 20 Werktage (§ 13 Absatz 2 Satz 2 WpPG).

Wo erhalte ich den Prospekt für Wertpapiere?

Der Prospekt für Wertpapiere ist stets auch im Internet zu veröffentlichen. Dies kann auf der Internetseite des Emittenten, des Kreditinstituts oder Finanzdienstleistungsinstituts, welches die Wertpapiere verkauft, der Zahlstelle oder des organisierten Marktes, für den die Zulassung zum Handel beantragt wurde, geschehen. Bei der Veröffentlichung im Internet kann der Anleger die Aushändigung einer kostenlosen Papierversion des Prospekts verlangen. Die BaFin macht die gebilligten Prospekte für Wertpapiere auf ihrer Internetseite für jeweils zwölf Monate zugänglich.

Haftet der Anbieter für die im Prospekt gemachten Angaben?

Grundsätzlich haften Anbieter für die im Prospekt gemachten Angaben. Ob in einem gegebenen Fall Ansprüche bestehen, hängt allerdings von einer Reihe von Faktoren ab und muss in dem jeweiligen Einzelfall geprüft werden. Dies kann die BaFin nicht übernehmen.

Die Prospekthaftung ist für Wertpapiere im Abschnitt 6 des Wertpapierprospektgesetzes (WpPG) geregelt, wo sich auch weitere Regelungen über die Haftung in Bezug auf Prospekte für die Zulassung zum Börsenhandel und auf Wertpapier-Informationsblätter finden. Dort stehen auch Regelungen über die Haftungshöhe, eventuelle Haftungsausschlüsse und mehr. Weitergehende Ansprüche, die auf der Basis von anderen Haftungsgrundlagen erhoben werden können, bleiben unberührt und können damit ebenfalls bestehen. Für Prospekte, die vor dem 1. Juni 2012 veröffentlicht wurden, gelten abweichende Übergangsvorschriften (siehe § 37 WpPG).

Was ist das Wertpapier-Informationsblatt (WIB)?

Bei öffentlichen Angeboten mit einem Gesamtgegenwert von 100.000 Euro bis weniger als 8 Millionen Euro kann der Emittent statt eines Prospekts ein WIB erstellen, von der BaFin gestatten lassen und nach der Gestattung durch die BaFin veröffentlichen (vgl. §§ 3-3c Wertpapierprospektgesetz (WpPG) (wenn nicht eine andere Prospektausnahme eingreift).

Das WIB soll Anlegern als Informationsquelle für ihre Anlageentscheidung dienen. Es darf erst veröffentlicht werden, wenn die BaFin dies gestattet.

Das WIB darf maximal drei Seiten lang sein. Es muss in übersichtlicher und leicht verständlicher Weise die wesentlichen Informationen über die Wertpapiere, den Anbieter, den Emittenten und etwaige Garantiegeber enthalten. Einzelheiten und Reihenfolge des Inhalts sind in § 3a Absatz 3 Satz 2, Absätze 5 und 6 WpPG vorgeschrieben. Das WIB muss außerdem folgenden Warnhinweis enthalten: „Der Erwerb dieses Wertpapiers ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“ Ferner ist unter anderem darauf hinzuweisen, dass für das Wertpapier kein von der BaFin gebilligter Prospekt hinterlegt wurde.

Während der Dauer des öffentlichen Angebots ist das WIB bei Bedarf zu aktualisieren beziehungsweise zu korrigieren (§ 3a Absatz 8 WpPG). Die aktualisierte Fassung ist ebenfalls bei der BaFin zu hinterlegen und zu veröffentlichen. Die aktualisierte Fassung wird nicht erneut von der BaFin gestattet.

Was ist unter einer „Vermögensanlage“ zu verstehen?

Das Spektrum der Vermögensanlagen reicht von Genussrechten und Namensschuldverschreibungen über stille Beteiligungen, GmbH- oder Kommanditanteile bis hin zu ausländischen Beteiligungsformen. Eine Definition liefert § 1 Absatz 2 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG).

Welche Risiken können mit einer Vermögensanlage verbunden sein?

Um eine Vermögensanlage bewerten zu können, sollten Sie vor allem einen Blick in das Kapitel des Verkaufsprospektes werfen, das sich mit den Risiken beschäftigt. Es informiert Sie detailliert über alle Risiken der Vermögensanlage, die nach Ansicht des Anbieters wesentlich sind. Bei Kommanditbeteiligungen kann zum Beispiel Ihre Haftung als Anleger unter Umständen wieder aufleben, wenn den Ausschüttungen keine Gewinne des Emittenten gegenüberstehen und die Gesellschaft in eine Krise gerät. Dies bedeutet dann, dass Sie die empfangenen Ausschüttungen wieder zurückzahlen müssen.

Häufig droht auch der Totalverlust der Vermögensanlage. Dies ist bei Anlageobjekten wie Immobilien und Schiffen genauso der Fall wie bei der Investition in erneuerbare Energien, auch wenn diese als ökologische und regionale Anlageobjekte auf den ersten Blick weniger risikoträchtig erscheinen mögen.

Welche Finanzinformationen kann ich aus dem Verkaufsprospekt für Vermögensanlagen ersehen?

Seit dem Geschäftsjahr 2014 sind Emittenten von Vermögensanlagen – unabhängig von Rechtsform und Größe – verpflichtet, einen Jahresabschluss und einen Lagebericht einschließlich eines Vergütungsberichts aufzustellen und durch einen Wirtschaftsprüfer testieren zu lassen. Die BaFin kontrolliert, ob diese Angaben im Prospekt enthalten sind. Die BaFin überprüft jedoch weder die Seriosität des Emittenten bzw. des Anbieters noch kontrolliert sie das Produkt. Hierauf müssen Anbieter von Vermögensanlagen in ihren Verkaufsprospekten sogar ausdrücklich hinweisen. Die BaFin ist dementsprechend zum Beispiel nicht ermächtigt, zu prüfen, ob inhaltliche Fehler im Jahresabschluss enthalten sind, beispielsweise ob ein bilanzierter Vermögensgegenstand tatsächlich existiert oder ob ein falscher Bewertungsansatz gewählt wurde. Häufig handelt es sich bei den Emittenten jedoch um sogenannte junge Unternehmen, für die noch gar keine historischen Finanzinformationen vorliegen. Dann muss im Prospekt die zukünftige Vermögens-, Finanz- und Ertragslage als Prognose abgebildet werden. Jahresabschluss und Lagebericht sind in diesem Fall nicht in den Verkaufsprospekt aufzunehmen.

Welche Kosten kommen bei der Vermögensanlage auf mich zu?

Im Verkaufsprospekt muss der Anbieter an hervorgehobener Stelle alle Kosten angeben, welche auf Sie als Anleger bei einer Anlage zukommen. Häufig muss beispielsweise über den eigentlichen Anlagebetrag hinaus ein Aufschlag (Agio) gezahlt werden. Zudem ist ebenfalls an hervorgehobener Stelle die Gesamthöhe der Provisionen anzugeben, denn der Teil der Anlegergelder, der für Provisionen und Emissionskosten aufgewendet wird, steht nicht mehr für Investitionen in das Anlageobjekt zur Verfügung. Sie sollten daher vor der Investition in eine Vermögensanlage deren Kostenstruktur genau prüfen.

Welche Besonderheiten gelten bei Genussrechten?

Auch für Genussrechte besteht eine Prospektpflicht. Genussrechte sind schuldrechtliche Kapitalüberlassungsverhältnisse, welche keine Anteile an einem Unternehmen begründen. Sie als Anleger werden also nicht Gesellschafter und haben somit kein Mitspracherecht. Sie tragen aber die Verluste des Emittenten mit, wenn dies in den Genussrechtsbedingungen so vereinbart ist. Bei der Insolvenz oder Liquidation des Emittenten erhalten Sie als Anleger Ihr Geld meist erst nach allen anderen Gläubigern (Nachrangabrede). Zudem haben Genussrechte meist lange Laufzeiten und sind nur schwer zu veräußern.

Wie finde ich heraus, ob für eine Vermögensanlage bei der BaFin ein Prospekt hinterlegt wurde?

Die BaFin erfasst jeden bei ihr hinterlegten Prospekt in einer öffentlichen Datenbank. Verbraucher können dort recherchieren, ob ein Prospekt und etwaige Nachträge hinterlegt und veröffentlicht wurden. Der Prospekt selbst ist nicht in der Datenbank eingestellt. (Zur Datenbank)

Wo erhalte ich den Verkaufsprospekt für Vermögensanlagen?

Der Verkaufsprospekt für Vermögensanlagen muss entweder auf der Internetseite des Anbieters und im Bundesanzeiger veröffentlicht werden oder auf der Internetseite des Anbieters veröffentlicht und bei den Zahlstellen zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten werden (§ 9 Absatz 2 Satz 1 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG)). Die Zahlstelle ist im Verkaufsprospekt zu benennen.

Werden Vermögensanlagen über ein elektronisches Informationsverbreitungssystem angeboten, ist der Verkaufsprospekt auch in diesem zu veröffentlichen (§ 9 Absatz 2 Satz 2 VermAnlG).

Wie lange dauert das Prüfungsverfahren eines Verkaufsprospektes für Vermögensanlagen?

Die Prüfung eines Verkaufsprospektes für Vermögensanlagen erfolgt innerhalb von 20 Werktagen nach Eingang des Verkaufsprospektes, wobei der Samstag als Werktag mitzurechnen ist. Innerhalb dieses Zeitraums teilt die BaFin dem Anbieter ihre Entscheidung über die Billigung mit. Hat die BaFin Anhaltspunkte dafür, dass der Verkaufsprospekt unvollständig ist oder es ergänzender Informationen bedarf, gilt auch hier die Frist von 20 Werktagen erst ab dem Zeitpunkt, zu dem die fehlenden Informationen eingehen. Die BaFin soll den Anbieter über die Unvollständigkeit oder die Notwendigkeit ergänzender Informationen innerhalb von zehn Werktagen ab Eingang des Verkaufsprospektes informieren (§ 8 Absatz 2 und 3 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG)).

Sind die Verkaufsprospekte für Vermögensanlagen auch über die BaFin erhältlich?

Die BaFin übersendet grundsätzlich keine Verkaufsprospekte für Vermögensanlagen.

In welchem Status befindet sich das Prospektprüfungsverfahren einer bestimmten Vermögensanlage?

Darüber kann die BaFin Ihnen gegenüber keine Auskunft geben. Insoweit gilt eine gesetzliche Verschwiegenheitsverpflichtung.

Was ist das Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB)?

Zusätzlich zum Verkaufsprospekt muss der Anbieter ein VIB für die Vermögensanlage erstellen, bei der BaFin hinterlegen und bei den Zahlstellen bereithalten. Das VIB ist eine Kurzinformation, quasi der „Beipackzettel“ der angebotenen Vermögensanlage. Das VIB muss auf maximal drei DIN-A4-Seiten kurz und verständlich über die angebotene Vermögensanlage informieren. Während der gesamten Dauer des öffentlichen Angebots muss das VIB in der aktuellen Fassung auf der Internetseite des Anbieters zugänglich sein.

Die BaFin prüft während des Gestattungsverfahrens allerdings nicht den Inhalt des VIBs. Hierauf muss der Anbieter im VIB auch hinweisen. Für Ihre Anlageentscheidung sollte also der Prospekt maßgeblich sein, der alle vorgeschriebenen Informationen umfasst.

Seit dem 21.08.2017 darf ein VIB erst veröffentlicht werden, wenn die Veröffentlichung zuvor von der BaFin gestattet wurde (§ 13 Absatz 2 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG)).

Gibt es im Vermögensanlagengesetz Ausnahmen von der Prospektpflicht?

Ausnahmen von der Pflicht, einen Verkaufsprospekt zu veröffentlichen, sind in § 2 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) aufgeführt.

Für öffentliche Angebote von partiarischen Darlehen, Nachrangdarlehen sowie sonstigen Anlagen im Sinne von § 1 Absatz 2 Nummer 7 VermAnlG unter Einschaltung von Crowdinvesting-Plattformen ist im Rahmen der Schwarmfinanzierung kein Verkaufsprospekt, sondern ein VIB bei der BaFin zu hinterlegen und entsprechend zu veröffentlichen. Dieses ist damit für Anleger die einzige an formale Anforderungen geknüpfte Informationsquelle, aber gleichzeitig auch ein zivilrechtliches Haftungsdokument, vgl. § 22 VermAnlG. Das VIB soll sowohl dem Anleger den Vergleich mit anderen Finanzanlagen erleichtern, als auch die Transparenz der angebotenen Vermögensanlage erhöhen.

Auf maximal 3 DIN-A4-Seiten müssen mindestens die wesentlichen Mindestangaben und Hinweise in übersichtlicher und leicht verständlicher Weise in der gesetzlich vorgeschriebenen Reihenfolge enthalten sein.

Kann mir die BaFin Auskunft über die Seriosität und Bonität einzelner Angebote geben?

Nein. Die BaFin gibt Auskunft darüber, ob der Anbieter für die jeweilige Vermögensanlage einen Verkaufsprospekt übermittelt und nach erfolgter Billigung gemäß den Bestimmungen des Vermögensanlagengesetzes (VermAnlG) veröffentlicht hat. Hierzu führt die BaFin eine öffentlich zugängliche Datenbank auf ihrer Homepage (https://portal.mvp.bafin.de/database/VPInfo/index1.jsp). Wenn Sie die gesuchte Vermögensanlage in der Datenbank gefunden haben, besagt dies, dass hierfür der BaFin ein Vermögensanlagen-Verkaufsprospekt oder ein VIB übermittelt und nach erfolgter Billigung bzw. Gestattung der Veröffentlichung entsprechend den Bestimmungen des VermAnlG bzw. Verkaufsprospektgesetzes veröffentlicht wurde. Die inhaltliche Richtigkeit der im Prospekt/VIB gemachten Angaben ist dagegen nicht Gegenstand der Prüfung durch die BaFin. Sie prüft im Rahmen der Vollständigkeit, ob der Verkaufsprospekt die (Mindest-) Anforderungen des Vermögensanlagengesetzes i.V.m. der Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung (VermVerkProspV) erfüllt. Zudem prüft sie die innere Widerspruchsfreiheit (Kohärenz) und Verständlichkeit seines Inhalts. Daher kann allein aus der Tatsache, dass ein Prospekt/VIB der BaFin übermittelt und nach erfolgreichem Abschluss des Prüfungsverfahrens bei der BaFin entsprechend den Bestimmungen des Verkaufsprospektgesetzes bzw. des VermAnlG veröffentlicht wurde, nicht auf die Seriosität oder auf die Bonität des Emittenten geschlossen werden.

Die inhaltliche Richtigkeit der im Prospekt gemachten Angaben ist dagegen nicht Gegenstand der Prüfung des Prospekts. Die BaFin überprüft auch nicht, ob ein Geschäftsmodell wirtschaftlich plausibel ist und tatsächlich die versprochene Rendite für den Anleger erwirtschaften kann. Ebenso wenig beurteilt sie, ob Anbieter oder Emittenten seriös sind und über eine gute Bonität verfügen. Daher kann allein aus der Tatsache, dass ein Prospekt der BaFin übermittelt und nach erfolgreichem Abschluss des Prospektprüfungsverfahrens bei der BaFin entsprechend den Bestimmungen des Verkaufsprospektgesetzes bzw. des Vermögensanlagengesetzes veröffentlicht wurde, nicht auf die Seriosität oder auf die Bonität des Emittenten bzw. Tragfähigkeit des Geschäftsmodells geschlossen werden.

Was ist, wenn ich mein Geld dringend benötige?

Sollten Sie das investierte Geld dringend benötigen oder entwickelt sich die Anlage nicht wie von Ihnen erhofft, können Sie die Vermögensanlage meist nicht oder nur zu relativ schlechten Bedingungen weiterverkaufen. Da es keinen hinreichend effektiven Zweitmarkt gibt, wird es für Sie schwierig sein, überhaupt einen Käufer zu finden. Der Kaufpreis beträgt meist nur einen Bruchteil der ursprünglichen Anlagesumme.

Haftet der Anbieter einer Vermögensanlage für unrichtige Angaben?

Der Prospektverantwortliche und der Anbieter haften unter den Voraussetzungen des § 20 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) gegenüber dem Erwerber der Vermögensanlage, wenn wesentliche Angaben im Prospekt unrichtig oder unvollständig sind. Der Verkaufsprospekt ist dabei das zentrale Haftungsdokument für Sie als Verbraucher. Der Anbieter haftet zudem unter den Voraussetzungen des § 22 VermAnlG, wenn die in dem Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) enthaltenen Angaben irreführend, unrichtig oder nicht mit den einschlägigen Teilen des Verkaufsprospektes vereinbar sind.

Über diese Haftungsansprüche entscheiden allerdings die Zivilgerichte. Die BaFin darf Sie als Verbraucher in diesen Angelegenheiten auch nicht unterstützen.

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