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Strukturierte Finanzprodukte: Preistransparenz für mehr Anlegerschutz

Kerstin Rummler, BaFin

Datum: 01.12.2014

Wertpapierdienstleistungsunternehmen bieten Privatkunden immer häufiger strukturierte Finanzprodukte an. Im Sinne des Anlegerschutzes ist es dabei wichtig, dass die Preisbildung nachvollziehbar und transparent ist.

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Stellungnahme von ESMA

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA (European Securities and Markets Authority) hat daher eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie aufführt, was Wertpapierdienstleistungsunternehmen bei der Erstellung strukturierter Finanzprodukte beachten sollten. Demnach sollten sie unter anderem bei der Preissetzung die gleichen Verfahren anwenden wie bei der Bilanzierung der eigenen Wertpapiere im Jahresabschluss. Auf diese Weise will ESMA sicherstellen, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen wird.

Strukturiertes Finanzprodukt

Strukturierte Finanzprodukte sind im Wesentlichen Finanzinstrumente, die aus einem oder mehreren Basiswerten sowie einer derivativen Komponente bestehen. Die jeweilige Kombination bildet eine bestimmte Erwartung in Bezug auf die Entwicklung der jeweiligen Basiswerte ab. Zweck strukturierter Finanzprodukte ist es damit, auf bestimmte Börsenszenarien zu spekulieren.

ESMA ist der Meinung, dass Unternehmen entweder den im Bilanzrecht anerkannten Zeitwert-Ansatz (Fair Value) oder das Intrinsic-Value-Verfahren als Bewertungsmaßstab für Finanzprodukte anwenden sollten. Das Konzept des Fair Value ist im Bilanzierungsstandard IFRS 13 beschrieben. Demnach ist der Fair Value eines Finanzprodukts der Preis, der zwischen professionellen Handelspartnern unter normalen Marktbedingungen erzielbar wäre. Der Ansatz soll sicherstellen, dass ein möglichst objektiver Preis ausgewiesen wird. Beim zweiten empfohlenen Verfahren werden die Preise der einzelnen Bestandteile des Produkts, etwa der enthaltenen Derivate, zu einem Gesamtpreis addiert. Weiterhin ist ESMA der Meinung, dass der so ermittelte interne Preis potenziellen Käufern des Produkts mitgeteilt werden sollte.

Erste Reaktionen in Deutschland

In Deutschland hat sich der Interessenverband der deutschen Derivateindustrie mit der Preistransparenz beschäftigt. Die Mitglieder des Verbandes haben sich in einem Fairness Kodex verpflichtet, den Wert des strukturierten Finanzprodukts in Form des Issuer Estimated Value (IEV – „vom Emittenten geschätzter Wert“) zu ermitteln und den Kunden mitzuteilen. Dieser Wert kann beispielsweise als freiwillige zusätzliche Angabe in die Informationsblätter aufgenommen werden, die die Wertpapierdienstleistungsunternehmen den Kunden nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG

WpHG

) bei einer Anlageberatung aushändigen müssen.

Das Konzept des IEVValue ist aus den USA bekannt. Dort werden diese Preise, die zum Zeitpunkt der Emission ermittelt werden, üblicherweise an prominenter Stelle des Wertpapierprospekts angegeben, etwa auf der Titelseite. Zur Ermittlung des IEV wird in der Regel das Fair-Value-Konzept angewandt. Damit kommt er dem Preis nahe, den professionelle Handelsteilnehmer zahlen würden. Zur Berechnung des IEVValue sind Modelle zur Preisberechnung der verschiedenen Produktbestandteile, Finanzierungserträge und Absicherungskosten heranzuziehen. Bei der Preisberechnung wird im Regelfall jeder Emittent von Finanzprodukten seine eigenen Annahmen zugrunde legen, beispielsweise zu den erwarteten Schwankungen des Basiswerts (Volatilitäten), den zukünftigen Zinssätzen oder der Entwicklung der Bonität des Emittenten. Daher kann es vorkommen, dass verschiedene Emittenten den Wert desselben Finanzprodukts unterschiedlich schätzen. Aus diesem Grund nennt sich der Preis auch „geschätzter“ Preis: Er ist ein mit Berechnungsmethoden ermittelter Näherungswert, der stark von den verwendeten Annahmen abhängt.

Gleichwohl können Privatanleger die Preisbildung des strukturierten Finanzprodukts mithilfe des IEVValue besser nachvollziehen. Indem er den IEVValue mit dem tatsächlichen Verkaufspreis vergleicht, kann der Anleger erkennen, welche wesentlichen Kosten im strukturierten Produkt enthalten sind. Die Differenz von Verkaufspreis und IEVValue enthält unter anderem die operativen Kosten der Strukturierung des Produkts, die Kosten für die IT-Infrastruktur, die für den Handel mit dem Produkt notwendig ist, sowie den Gewinn, den der Emittent erwartet. Der Privatanleger kann somit die Kosten des Produkts mit denen anderer Produkte vergleichen. Außerdem kann er beurteilen, ob die Kosten im Verhältnis zur erwarteten Rendite angemessen sind.

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Zusatzinformationen

Ba­F­in­Jour­nal, Aus­ga­be De­zem­ber 2014

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