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Thema Verbraucherschutz Geldanlage: Welche Fragen sich Anleger vorab stellen sollten

Dr. Mareike Altmann, Kerstin Rüsche, BaFin

Datum: 15.06.2015

Vielen Privatanlegern fällt die Entscheidung schwer, wie sie ihr Geld investieren möchten. Zu viele Fragen sind vorab zu klären. Welche Produkte eignen sich am besten? Investmentfonds? Aktien? Zertifikate? Sollte man sich beraten lassen? Welche Bank eignet sich am besten? Filialbank oder Direktbank?

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Es gilt, die einzelnen Produkte und Dienstleistungen voneinander abzugrenzen und diejenigen herauszufiltern, die den eigenen Zielen am besten gerecht werden. Denn: Nicht alle Produkte passen zu jedem Anleger. Der vorliegende Beitrag will Anleger dabei unterstützen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Risikobereitschaft

Vor jeder Anlageentscheidung sollten sich Anleger bewusst machen, welche finanziellen Risiken sie in ihrer persönlichen Situation eingehen können. Die Risikobereitschaft drückt die Bereitschaft des Anlegers aus, die finanziellen Risiken einer Geldanlage zu akzeptieren. So individuell jeder Privatanleger auch ist – hinsichtlich der Risikobereitschaft lassen sich zumindest drei Gruppen unterscheiden: konservative, ausgewogene und offensive Anleger.

Steht die Sicherheit der Geldanlage für den Anleger im Vordergrund, will er also nur geringe oder keine finanziellen Risiken eingehen, beispielsweise aufgrund von Kursschwankungen, so handelt es sich um einen konservativen Anleger. Anleger, denen sowohl Sicherheit als auch Rendite wichtig sind und die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden anstreben, sind dem ausgewogenen Anlegertypus zuzurechnen. Sind Anleger in erster Linie darauf bedacht, mit ihrer Geldanlage eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, verkörpern sie den offensiven Typus.

Oft wird die Risikobereitschaft des Anlegers davon beeinflusst, dass er eine bestimmte Rendite anstrebt. Um diese zu erzielen, zieht er gegebenenfalls Finanzprodukte in Betracht, bei denen der investierte Betrag nicht so sicher ist. Für den Anleger kann es hilfreich sein, die möglichen Verluste, die mit der Geldanlage einhergehen, in Form von Prozentzahlen zu konkretisieren. Dadurch kann er herausfinden, in welchem Rahmen er – losgelöst vom Renditeziel – bereit ist, finanzielle Risiken zu tragen. Dazu muss er sich fragen, wie viel Prozent des investierten Kapitals er bereit ist, aufs Spiel zu setzen.

Risikotragfähigkeit

Anleger müssen aber auch prüfen, ob sie die finanziellen Risiken, die sie eingehen wollen, tatsächlich finanziell tragen können, wenn sich diese realisieren. Reicht das Vermögen aus, um mögliche finanzielle Verluste zu decken?

Sicherheit und Rendite
Faustregel: Je höher die Rendite eines Finanzprodukts ist, desto höher sind die finanziellen Risiken, die mit der Geldanlage einhergehen. Umgekehrt gilt genauso, dass sich die finanziellen Risiken mit der Verringerung der Rendite reduzieren.

Anlageziel

Anleger sollten sich auch fragen, welches Ziel sie mit der Anlage verfolgen. Die Antwort, dass finanzielle Mittel in Finanzprodukte investiert werden sollen, reicht hier nicht aus. Vielmehr sollten Anleger den Zweck definieren, der hinter der Anlage steckt.

Soll der investierte Betrag später die Altersvorsorge absichern? Oder dient die Geldanlage dem Vermögensaufbau, gegebenenfalls als Vorstufe zu einer späteren Investition in Immobilien? Diese Vermögensziele werden häufig von Kunden mit einer konservativen oder ausgewogenen Risikobereitschaft verfolgt.

Oder sollen mit der Geldanlage Marktgegebenheiten ausgenutzt werden oder der investierte Betrag anderen Spekulationsgeschäften dienen? Solche Anlageziele sind von Kunden mit einer offensiven Risikobereitschaft zu erwarten.

Investitionsdauer

Eine wichtige Frage ist auch, wie lange Anleger bereit sind, auf die finanziellen Mittel zu verzichten, die investiert werden sollen. Bis zu fünf Jahre? Fünf bis zehn Jahre? Über zehn Jahre?

Daneben gilt es zu entscheiden, ob die Geldanlage unabhängig von der geplanten Anlagedauer ständig zur Verfügung stehen soll. Will der Anleger im Notfall auf den Betrag zurückgreifen können, indem er das Finanzprodukt veräußert – auch wenn dies mit einer finanziellen Einbuße einhergeht?

Erfahrungen und Kenntnisse

Anleger sollten sich genau vor Augen führen, welche Erfahrungen und Kenntnisse sie bei den einzelnen Finanzprodukten wie Aktien, Fonds etc. haben. Verstehen sie alle Merkmale des ausgewählten Produkts? Oder gibt es zu einzelnen Aspekten noch Fragen, etwa zu den Kosten?

Anleger sollten diese Fragen unbedingt klären und gegebenenfalls Rat einholen, etwa von einem Anlageberater. Nimmt ein Anleger eine Beratung in Anspruch, erhält er zu jeder Anlageempfehlung ein Informationsblatt mit den wesentlichen Eigenschaften des Produkts (Produktinformationsblatt). Wenn darin Begriffe auftauchen, die der Anleger nicht versteht, sollte er sie sich in jedem Fall vom Berater erklären lassen.

Geeignete Produkte

Anleger sollten stets sicherstellen, dass sie ein Finanzprodukt auswählen, das zu ihnen passt, dass es also die Eigenschaften besitzt, die ihnen wichtig sind. Generell sind dabei die oben genannten Kriterien wie Anlageziel, Anlagedauer und Risikobereitschaft zu berücksichtigen. Für Anleger, die die Frage nach der Risikobereitschaft zurückhaltend beantwortet haben, bieten sich beispielsweise festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen von Staaten oder Emittenten mit guter Bonität an, die allerdings oft nur eine niedrige Rendite bringen. Umgekehrt ist in der Regel eine geschlossene Beteiligung mit hoher Mindestbeteiligung und langer Laufzeit nicht geeignet, wenn Anleger nur einen kleinen Betrag anlegen und über diesen stets verfügen wollen.

Auch die Banken sind hier in der Pflicht: Sie dürfen ihren Kunden nur Produkte empfehlen oder verkaufen, die zu ihnen passen. Um festzustellen, welche Produkte für welche Anlegertypen grundsätzlich geeignet sind, beurteilen Banken das Risiko ihrer Produkte anhand der Bonität der Emittenten, ihrer Laufzeiten, Branchen, Währungen, Regionen und Funktionsweise. Auf dieser Grundlage ordnen sie die Produkte den einzelnen Anlegertypen mit ihrer jeweiligen Risikobereitschaft zu. Die Bezeichnung dieser Kundengruppen variiert dabei von Bank zu Bank.

Ungeeignete Produkte

Angesichts der großen Auswahl an Produkten stellt sich die Frage, ob einige davon für bestimmte Anleger generell ungeeignet sind. Das ist klar zu bejahen.

Zu den Finanzinstrumenten, die aus Sicht der BaFin für Privatanleger nur sehr eingeschränkt geeignet sind, zählen Contingent Convertible Bonds, kurz CoCo-Bonds. Dabei handelt es sich um Anleihen, die Banken ausgeben können, um die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen, und die sie in Aktien umwandeln oder herabschreiben können, wenn bestimmte Bedingungen eintreten. Anleger können dadurch ihr gesamtes eingesetztes Kapital verlieren. Privatanlegern, die noch nicht viele Erfahrungen mit Geldanlagen gesammelt haben, fällt es naturgemäß schwer, die Struktur und das Risiko dieser Produkte einzuschätzen und die Wertentwicklung zu verfolgen.

Auch ein Hebelprodukt sollten Anleger nur dann erwerben, wenn sie vollständig nachvollziehen können, wie es funktioniert, und bereits Erfahrung mit Geldanlagen gesammelt haben. Ein Hebel wirkt nämlich nicht nur zugunsten des Anlegers, sondern kann auch einen Totalverlust und im ungünstigsten Fall sogar eine Nachschusspflicht nach sich ziehen.

Wahl des Anbieters

Es gibt zahlreiche Marktteilnehmer, die Finanzprodukte über verschiedene Vertriebskanäle anbieten. Zu den Anbietern zählen Wertpapierdienstleistungsunternehmen, wie beispielsweise Banken, Sparkassen und Finanzdienstleistungsinstitute, aber auch freie Vermittler, die nur eine eingeschränkte Produktpalette zur Verfügung stellen.

Um den Anbieter auszuwählen, der zu den jeweiligen Bedürfnissen passt, sollten Anleger die Angebote für das Finanzprodukt, in das sie investieren möchten, insbesondere hinsichtlich der damit verbundenen Kosten vergleichen. Außerdem sollten sie sich fragen, ob ihnen der persönliche Kontakt wichtig ist. Lautet die Antwort ja, sollten sie die Geldanlage mit Hilfe einer Filialbank umsetzen. Sonst kommt auch eine Direktbank im Internet in Frage.

Betreuung des Depots

Sodann sollten sich Anleger überlegen, ob sie jede einzelne Investitionsentscheidung selbst treffen wollen oder wünschen, dass ein Dritter ihr Depot aufbaut beziehungsweise betreut. Entscheiden sie sich für die zweite Variante, ist die Finanzportfolio-/Vermögensverwaltung geeignet. Dabei legt der Anleger mit der Bank zu Beginn die Anlagestrategie fest. Die Bank investiert dann entsprechend dieser Strategie das Geld und nimmt auch selbstständig Verkäufe vor, wenn bestimmte Anlage- oder Verlustgrenzen erreicht werden oder andere Gründe eine Veränderung der Investition erfordern.

Eine Vermögensverwaltung ist jedoch in der Regel mit höheren Gebühren verbunden, da der Vermögensverwalter das Depot dauerhaft überwacht und in bestimmten Zeitabständen Depotauszüge versendet. Eine andere Variante ist die fondsbasierte Vermögensverwaltung. Hier übernimmt der Fondsmanager die Aufgabe des Vermögensverwalters und investiert das Fondsvermögen, also die Gelder der Anleger, nach bestimmten Anlagerichtlinien in verschiedene Produkte. Gegenüber der klassischen Vermögensverwaltung ist die fondsbasierte Variante weniger individuell.

Anlageberatung

Viele Wertpapierdienstleistungsunternehmen bieten eine Anlageberatung an. Dabei empfiehlt der Berater dem Anleger, ein bestimmtes Finanzinstrument zu kaufen, zum Beispiel einen Investmentfonds, eine Aktie oder ein Zertifikat. Dieses Produkt muss für den Anleger geeignet sein. Der Berater hat seine Empfehlung auf die Informationen zu den persönlichen Umständen zu stützen, die der Anleger ihm mitteilt, wie sein Anlageziel oder seine finanziellen Verhältnisse. Anlegern steht es frei, die Expertise des Beraters zu nutzen. Dies kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn sie selbst nicht über ausreichende Erfahrungen und Kenntnisse bei Finanzprodukten verfügen.

Geeignetheit
Eine Anlageempfehlung ist dann geeignet, wenn sie den Anlagezielen des Kunden entspricht, die Anlagerisiken für den Kunden seinen Anlagezielen entsprechend finanziell tragbar sind und der Kunde diese Risiken dank seiner Kenntnisse und Erfahrungen verstehen kann.

Anlegern muss dabei eines klar sein: Beratung kostet Geld. Sie bezahlen die Anlageberatung auch, wenn sie keine Rechnung erhalten: Als indirekte Bezahlung fungieren unter anderem Aufschläge und Provisionen, die vom Anlagebetrag abgezogen werden. Die Bank ist verpflichtet, dem Anleger mitzuteilen, wie hoch diese Beträge sind. Anleger sollten in jedem Fall danach fragen und zudem Informationen darüber verlangen, wie diese Kosten ihre Rendite beeinflussen. Sie sollten ihren Anlageberater gegebenenfalls bitten, ihnen die Rendite unter Berücksichtigung der Kosten auszurechnen. Außerdem können sich Anleger seit Einführung der Honorar-Anlageberatung auch gegen Zahlung eines festen Honorars beraten lassen.

Anleger, die keine Beratung in Anspruch nehmen möchten, müssen den Anbieter selbst auswählen und darauf achten, welche Kostenstruktur und welche Risiken das gewünschte Produkt birgt. Hierfür müssen sie sich gründlich über den Vertragspartner und die Kapitalanlage informieren. Erste Kenntnisse und Erfahrungen in Bezug auf die gewählten Finanzinstrumente sind dabei hilfreich, um das Risiko einschätzen zu können, das mit der Investition verbunden ist.

Tipps für Anleger

Es ist nicht möglich, an dieser Stelle alle Finanzinstrumente aufzuzählen und ihre Risiken zu beurteilen. Es gibt jedoch Grundsätze, an die sich Anleger halten sollten. An erster Stelle steht dabei die Faustregel: „Je höher die Rendite, desto höher das Risiko“, etwa in Form eines erhöhten Ausfallrisikos des Emittenten oder des Risikos starker Kursschwankungen, also einer hohen Volatilität. Umgekehrt haben risikoarme Produkte, wie beispielsweise Bundesanleihen, auch eine niedrigere Rendite. Wird eine hohe Rendite für ein „absolut sicheres“ Produkt versprochen, ist stets Vorsicht geboten.

Und noch einen Grundsatz sollten alle Anleger beherzigen: Was man nicht versteht, sollte man auch nicht kaufen.

Aufgaben der BaFin

Die BaFin schützt Anleger im Rahmen des kollektiven Verbraucherschutzes. Das bedeutet nicht, dass sie individuelle Anlageentscheidungen kontrolliert oder Anlegern bei einer falschen Entscheidung zu Schadensersatz verhilft.

Die Aufsicht überprüft jedoch, ob Banken ihren Kunden tatsächlich nur Produkte empfehlen oder verkaufen, die zu deren Anlagezielen, finanziellen Verhältnissen, Kenntnissen und Erfahrungen passen. Stellt sie fest, dass eine Bank diese Pflicht missachtet, so schreitet die BaFin ein.

Wichtige Fragen für Anleger

Produktauswahl

  • Wie risikobereit bin ich?
  • Kann ich die finanziellen Risiken tragen?
  • Welches Ziel verfolge ich mit der Anlage?
  • Wie lange möchte ich Geld investieren?
  • Reichen meine Erfahrungen und Kenntnisse?
  • Passt das Produkt zu mir und zu meinen Wünschen?
  • Gibt es Produkte, die ich nur kaufen sollte, wenn ich mit ihnen bereits Erfahrung gesammelt habe?

Anlageberatung/Vermögensverwaltung/Eigeninitiative

  • Wo lege ich mein Geld an?
  • Möchte ich mich selbst intensiv um meine Geldanlage kümmern?
  • Möchte ich mich bei der Wahl des Finanzinstruments beraten lassen?

Zusatzinformationen

Ba­F­in­Jour­nal, Aus­ga­be Ju­ni 2015

  • Interview mit BaFin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele: „Aufsicht in neuen Dimensionen“
  • Geldwäsche: Vierte europäische Geldwäscherichtlinie und neue Geldtransferverordnung verabschiedet
  • Geldanlage: Welche Fragen sich Anleger vorab stellen sollten

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