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Bankenstresstest

Bankenstresstest

Stressszenario ist aus Sicht von Raimund Röseler plausibel. Daneben sind aber auch andere Konstellationen denkbar.

Datum: 16.11.2018

Die am 2. November durch die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA veröffentlichten Ergebnisse des EU-Bankenstresstests 2018 boten für die deutschen Kreditinstitute keine Überraschungen. „Alle deutschen Banken haben in dem für Deutschland besonders starken Abschwungszenario gezeigt, dass sie widerstandfähig sind“, erklärte Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht, am selben Abend in einer Pressemitteilung der BaFin.

Auf einen Blick:EBA-Stresstest

Der von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA koordinierte Stresstest prüfte die Widerstandsfähigkeit der 48 größten europäischen Banken in Krisenzeiten. Das Stressszenario hatte der Europäische Ausschuss für Systemrisiken ESRB beigesteuert, das Basisszenario die EZB. Von den geprüften Instituten unterstehen 33 dem Einheitlichen Aufsichtsmechanismus SSM. Acht dieser SSM-Banken sind deutsche Kreditinstitute – der Bericht nennt sie in alphabetischer Reihenfolge: Bayerische Landesbank, Commerzbank AG, Deutsche Bank AG, DZ BANK AG Deutsche Zentral‐Genossenschaftsbank, Landesbank Baden‐Württemberg, Landesbank Hessen‐Thüringen Girozentrale AdöR, Norddeutsche Landesbank ‐ Girozentrale und NRW.BANK. Zuvor wurde bereits im Jahr 2016 ein Stresstest durchgeführt (siehe BaFinJournal August 2016).

Erwartungsgemäß griff die hiesige Wirtschaftspresse in der ersten Novemberwoche insbesondere die Kapitalquoten der deutschen Teilnehmer auf. Bei der Beurteilung der Kapitalquoten ist auch ein genauerer Blick auf die Kalibrierung des Tests interessant.

„Beim simulierten Stress handelt es sich um ein einziges makroökonomisches Szenario“, sagte Röseler mit Blick auf das Stressszenario („Adverse Scenario“), das der Europäische Ausschuss für Systemrisiken ESRB entworfen hatte. Das Szenario traf unter anderem für die Entwicklungen von Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate, Arbeitslosigkeit und Kapitalmarktzinsen bestimmte Annahmen, die sich von Land zu Land unterschieden und als Vorgaben für die jeweiligen Institute galten.

Während die Arbeitslosenquote im adversen Szenario des EBA-Stresstests hierzulande stärker stieg und die Wohnimmobilienpreise leicht stärker fielen als im übrigen Euroraum, wurde die Entwicklung der Risikoprämien für Unternehmen EU-weit einheitlich gewählt. Hier gab es keine Unterscheidung nach Ländern. Auch der Einbruch der Aktienkurse in Deutschland im Stressszenario lag leicht unter dem Durchschnitt für die Eurozone. Die Inflationsentwicklung in Deutschland über den Szenariozeitraum entsprach ungefähr der des Euroraums.

„So plausibel der aktuelle EBA-Stresstest ist: Es gibt sicherlich viele weitere denkbare Szenarien“, sagte Röseler. Vom angenommenen Konjunktureinbruch sei die Exportnation Deutschland mit ihrer offenen Volkswirtschaft in der Simulation erheblich betroffen gewesen. „Würde der Stress seinen Ausgangspunkt in der politischen Fragmentierung innerhalb der EU und nicht, wie vom ESRB angenommen, in den USA haben, wären die Schocks auf die einzelnen Länder sicherlich anders verteilt“, führte er aus und nannte damit ein weiteres Beispiel für die aus deutscher Sicht verhältnismäßig scharfe Simulation.

Das Stessszenario lässt Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) – kumuliert über drei Jahre – um 3,3 Prozent schrumpfen. Historisch betrachtet hat Deutschland einen solchen BIP-Einbruch über drei Jahre hinweg noch nicht erlebt. Für andere Länder ist eine solche Annahme daher plausibler.

Im Gegensatz zum Stressszenario spiegelte das Basisszenario („Baseline Scenario“) die tatsächlich angenommene wirtschaftliche Entwicklung der Länder in der Europäischen Union sowie im Rest der Welt in den kommenden drei Jahren wider. Das Basisszenario hat die Europäische Zentralbank EZB kalibriert. Sie führte parallel zum EBA-Stresstest einen eigenen Stresstest für den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) durch. Der SREP-Stresstest setzte 54 bedeutende Kreditinstitute (Significant Institutions – SIs), davon elf deutsche Banken, ebenfalls den Szenarien des EBA-Stresstests aus. Die angewandten Methoden und Prozesse im SREP-Stresstest sind grundsätzlich mit den Vorgaben für den EBA-Stresstest vergleichbar, teilweise wurden jedoch Vereinfachungen vorgenommen.

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