BaFin

Thema Fintech Rede zur Eröffnung der Veranstaltung BaFin-Tech 2016

Datum: 28.06.2016

Rede des Präsidenten der BaFin, am 28. Juni 2016 in Frankfurt am Main

Es gilt das gesprochene Wort.

Felix Hufeld, Präsident

Meine Damen und Herren,

dem früheren Chef der FED, Paul Volcker, wird der Satz zugeschrieben, dass die letzte echte Innovation in der Bankenwelt der Geldautomat gewesen sei. Sollten die Finanzinstitute jemals so konservativ gewirkt haben, wie Volcker sie beschrieben hat, so kann man sagen: Die Zeiten haben sich geändert. Ansonsten wären wir nicht hier. Auch Banken, Versicherungen und andere Finanzunternehmen müssen sich der digitalen Welt stellen.

Neue Player auf dem Finanzmarkt bieten inzwischen im großen Stil Produkte auf Basis digitaler Medien und digitaler Informationstechnologie an, etwa Anwendungen zum mobilen Bezahlen mit dem Smartphone oder Plattformen für Social Trading, bei dem Anleger via Internet in Gruppen agieren. Auch das Crowdfunding, bei dem sich Projektgründer oder Unternehmen über das Internet Kapital verschaffen, zählt zu den Geschäftsmodellen der FinTechs.

Seit Monaten füllt das Thema FinTechs auch die Seiten der Wirtschaftspresse, seit Monaten beschäftigen sich Politik, Verbände und Unternehmen mit Fragen nach einer angemessenen Gesetzgebung und Regulierung. Insgesamt rund 100 Anfragen erhalten wir im Monat zum Thema FinTechs. Hinzu kommen etwa 170 Anfragen zur Erlaubnispflicht seit Anfang 2015!

Dennoch hat es mich überrascht, wie groß die Nachfrage nach unserer Veranstaltung BaFin-Tech 2016 war. Wir hatten mehr als dreimal so viele Anfragen wie Plätze. Die große Nachfrage und die damit wohl verbundenen hohen Erwartungen sind für uns eine Verpflichtung, Ihnen einen umfassenden Einblick in die Sicht- und Arbeitsweise der Aufsicht beim Thema „FinTechs“ zu geben. Gleichzeitig wollen wir die Veranstaltung auch nutzen, um in Workshops aufsichtliche Fragen anhand typischer Geschäftsmodelle zu besprechen. Ich freue mich, dass Sie in so großer Zahl gekommen sind und heiße Sie alle im House of Logistics and Mobility herzlich willkommen.

Meine Damen und Herren,

viele Branchen haben bereits erlebt, wie die Digitalisierung ihre Geschäftsmodelle durcheinander wirbeln kann. Denken Sie an die Musikindustrie: Den Inhalt mehrerer Regale einer Schallplattensammlung kann man mittlerweile auf einem digitalen Abspielgerät in der Hosentasche mit sich herum tragen. In der Finanzbranche sind eben die FinTechs in der öffentlichen Wahrnehmung zum Inbegriff des Wandels geworden. Sie sind in Deutschland und Europa eine nicht zu übersehende Realität – und eine dynamische dazu.

So beobachten wir von Jahr zu Jahr deutlich zunehmende Investitionen in junge FinTech-Unternehmen. Im vergangenen Jahr erreichten sie global einen Wert von über 22 Milliarden US-Dollar, was wiederum einen Zuwachs von 75% gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Hierzulande haben sich die Investitionen – je nach Quelle und Abgrenzung der FinTechs - in den vergangenen Jahren im Jahresrhythmus jeweils etwa verdoppelt, womit Deutschland mit Blick auf die Venture Capital-Investitionen gegenüber UK deutlich aufgeholt hat. Zudem differenziert sich die Branche durch den zunehmenden Fokus auf Start-ups aus dem Versicherungssektor. Insgesamt rückt das Thema FinTech damit weiter in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, ein Trend der durch ein zunehmendes Produktangebot weiter an Fahrt gewinnen wird.

Der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., soll das Automobil für eine vorübergehende Erscheinung gehalten haben. Er war fest davon überzeugt, dass dem Pferd die Zukunft gehöre. Wer so über digitale Finanzgeschäfte denkt, kann sich schnell im Abseits wiederfinden. Genauso falsch wäre es aber, in einen strengen Dualismus zu verfallen: Hier die FinTechs, dort die alteingesessenen Banken, die ihre Kräfte in einem „survival of the fittest“ messen. Ein solch manichäisches Denken halte ich weder für angemessen, noch dient es der Sache. So legen nicht nur FinTechs, also Start-Ups, digitalisierte Angebote auf. Etablierte Banken bieten beispielsweise automatisierte Beratungsleistungen an, den so genannten Robo-Advice. Einzelfragen hierzu werden heute in einem Workshop behandelt.

Und gewiss ist das klassische Bankgewerbe nicht akut vom Aussterben bedroht. Auch im Zeitalter der Digitalisierung hat es Kernkompetenzen, mit der es weiter punkten kann.
Außerdem zeigt sich schon jetzt, dass beide Lager nicht nur gegeneinander, sondern häufig auch miteinander arbeiten.

Was ist von der Digitalisierung im Finanzbereich zu halten? Zunächst einmal ist es so, dass FinTech-Unternehmen die Artenvielfalt der Finanzdienstleister erhöhen. Das ist ganz im Sinne des marktwirtschaftlichen Gedankens. Es spricht für ein funktionierendes Finanzwesen, wenn junge Unternehmen mit neuen Ideen an den Markt gehen und dort Resonanz finden. Wer indes welche Marktanteile erzielen kann, das bestimmt weder die Politik noch die Aufsicht. In einer Marktwirtschaft ist es glücklicherweise immer noch der Markt, der über Erfolg oder Misserfolg von Geschäftsmodellen entscheidet. Und eben dieser Markt ist aus sehr guten Gründen reguliert. Und hier kommt die BaFin ins Spiel, und für uns gilt: „gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regel“. Nach dieser Maßgabe handeln wir – natürlich immer unter Beachtung des Grundsatzes der Proportionalität.

Aufseher sind keine Jury, die über Unternehmenskonzepte richtet. Wir ziehen keine Schutzzäune um arrivierte Unternehmen, und wir betreiben keinen Brutkasten für coole Newcomer. Wir sind Aufsicht und wir bleiben das. Was wir aber wollen, ist unser Verwaltungshandeln angemessen auf Sie als wachsende und immer wichtiger werdende Zielgruppe auszurichten. Angemessen heißt im Kern: verständlich, schnell und – soweit es geht – elektronisch.

Seit diesem Frühjahr gibt es auf unserer Internet-Seite eine gebündelte Informations- und Kontaktplattform für potenzielle FinTech-Gründer, die wir schrittweise ausbauen werden. Beispielsweise können FinTechs ihre Fragen online an uns richten. Wir haben dazu ein Kontaktformular ins Netz gestellt, mit dem sich Voranfragen, aber auch konkrete Fragen zum Geschäftsmodell stellen lassen. Generelle aufsichtliche Informationen zu den typischen Geschäftsmodellen finden Sie an dieser Stelle zudem gebündelt und adressatengerecht formuliert.

Zu den Themen, die heute – sozusagen im Live-Erlebnis - im Mittelpunkt stehen werden, gehört mit Sicherheit die Frage, wie wir regulatorisch und als Aufsicht mit den FinTechs umgehen und welche regulatorischen Spielregeln für sie gelten sollten. Da sich solche Dinge mit Sicherheit am besten im Dialog erörtern lassen, will ich mein Zeitbudget an dieser Stelle gar nicht weiter ausdehnen. Ich bin gespannt auf Ihre Beiträge und Anregungen.

Nun übergebe ich an Herrn Schlecht, der einiges zu den Ergebnissen des BaFin-internen FinTech-Projektes und zur Interaktion zwischen BaFin und FinTechs sagen wird.

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