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Thema Kapitalanlagen von Versicherern Rundschreiben 1/2004 (VA) - Durchführung von Stresstests

Geschäftszeichen VA 14 - O 1000 - 50/04Datum: 17.02.2004

Durchführung von Stresstests

Einleitung

Die der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als Aufsichtsbehörde unterstehenden Versicherungsunternehmen haben nach dem Rundschreiben R 30/2002 (VA) Teil D Abschnitt I einen Stresstest nach den im Teil C desselben Rundschreibens verlautbarten Parametern einzureichen.

Da eine Änderung der Parameter durch eine Verlautbarung bekannt gegeben wird, ersetzt Teil A dieses Rundschreibens deshalb Teil C des Rundschreibens R 30/2002 (VA).

Durch die Aufsplittung der ehemals zwei in drei Szenarien und die damit verbundenen neuen Bezeichnungen müssen auch die Berichtspflichten zum Stresstest angepasst werden. Teil B dieses Rundschreibens tritt daher an die Stelle von Teil D Abschnitt I des Rundschreibens R 30/2002 (VA).

Teil C dieses Rundschreibens ergänzt Teil A des Rundschreibens R 30/2002 (VA) um einige Erleichterungen für kleinere Versicherungsunternehmen bei der Aufstellung und Vorlage der Nachweisungen 670 und 671.

Teil D dieses Rundschreibens stellt in Ergänzung zu Teil G des Rundschreibens R 30/2002 (VA) eine technische Besonderheit bei der Erstellung der Meldungen über derivative Finanzinstrumente, Vorkäufe und Strukturierte Produkte klar.

A. Hinweise zu den Parametern und zum Modell für die Durchführung eines Stresstests

Als Modell für einen Stresstest ist für die Zwecke der Berichtspflicht an die BaFin das im Internet zur Verfügung gestellte Stresstestmodell für die einzelnen Versicherungssparten zu verwenden. Die Internetseite, das Login und das Kennwort werden den Versicherungsunternehmen durch ein gesondertes Schreiben mitgeteilt.

Die Stresstests werden danach bis auf weiteres mit den folgenden Parametern durchgeführt:

Stresstestszenario R 10:

Marktwertverlust Renten

-10%

Stresstestszenario A 35:

Marktwertverlust Aktien

-35%

Stresstestszenario RA 25:
´

Marktwertverlust Renten

-5%

Marktwertverlust Aktien

-20%

Bei allen Stresstestszenarien werden Bonitätsrisiken bei festverzinslichen Wertpapieren und Darlehen (Fixed Income, inklusive der festverzinslichen Anlagen in Wertpapier-Sondervermögen) mit den folgenden Abschlägen berücksichtigt:

Investment-Grade

AAA-BBB

0%

Non-Investment-Grade

BB-B

-10%

Non-Investment-Grade

CCC-D

-30%

Ohne Rating

nr

-10%

Eine Änderung dieser Parameter wird von der BaFin durch Verlautbarung bekannt gegeben.


B. Anordnung betreffend die Berichtspflichten über die Durchführung von Stresstests und die Vorlage der Ergebnisse bei der Aufsichtsbehörde nach §§ 54 Abs. 1, 54d VAG i. V. m. § 6 AnlV

Gemäß § 81 Abs. 1 Sätze 2 und 5, Abs. 2 Sätze 1 und 2 i. V. m. §§ 54 Abs. 1, 54d VAG, § 6 AnlV ordne ich folgendes an:

Über die durchgeführten Stresstests ist vollständig zu berichten. Der Bericht umfasst die eingegebenen Daten, die Berechnung der Bestände und der Stressszenarien sowie die Übersicht über die Ergebnisse der Stresstests nach allen vorgegebenen Szenarien einschließlich etwaiger Nebenrechnungen.

Modifikationen des zur Verfügung gestellten Stresstestmodells sind im Rahmen des jährlichen Berichtes über die Ergebnisse der Stresstests unzulässig. Individuelle Besonderheiten eines Versicherungsunternehmens, die im vorgegebenen Stresstestmodell nicht berücksichtigt werden, und ihre Auswirkungen auf das Ergebnis können ggf. gesondert erläutert werden.

Weisen alle Stresstestszenarien einen positiven "Saldo" aus, ist nichts weiter zu veranlassen.

Weisen ein oder mehrere Stresstestszenarien einen negativen "Saldo" aus, so ist gegenüber der Aufsichtsbehörde zu bestätigen, dass der Gesamtvorstand und der Aufsichtsrat informiert wurden. Weiterhin ist der BaFin darzulegen (Neufassung der Anlage 5), welche Maßnahmen (z. B. Umstrukturierung des Portfolios) zur Wiederherstellung der Risikotragfähigkeit geplant und / oder durchgeführt wurden. Sollen bzw. brauchen (z. B. aufgrund stiller Reserven in Namenspapieren, die vor dem "Ergebnis" des Stresstests angesetzt werden können) keine Maßnahmen ergriffen werden, so ist dies zu begründen. Im Einzelfall wird die BaFin weitere Informationen anfordern und behält sich vor, weitere darüber hinaus gehende Maßnahmen zu fordern oder Beschränkungen (z. B. nach § 2 Abs. 5 AnlV) aufzuerlegen.

Der Stresstest ist durch den Ausdruck aller Kalkulationstabellen einschließlich etwaiger Nebenrechnungen für die jeweilige Sparte, spätestens drei Monate nach dem Bilanzstichtag einzureichen. Zusätzlich ist die Datei mit den ausgefüllten Kalkulationstabellen an die in dem gesonderten Schreiben mitgeteilte Email-Adresse oder als Diskette per Post an die Anschrift der BaFin zu senden.

Nach dem Rundschreiben R 29/2002 (VA) Teil A Abschnitt IX 3 b) hat das Risikomanagement eines Versicherungsunternehmens "… auch zu bewerten, ob die internen Anlagegrenzen angemessen sind und die jederzeitige Erfüllbarkeit der Versicherungsverträge unter Berücksichtigung der vorhandenen Risikotragfähigkeit und Risikovorgaben (z. B. maximales Abschreibungsvolumen) gewährleistet ist …" und zu diesem Zweck "… mindestens vierteljährlich Stresstests durchzuführen."

Diese unternehmensinternen Stresstests müssen qualitativ gleichwertig zu anerkannten Standards sein und dürfen nicht zu einer materiell relevanten, systematischen Unterschätzung des Risikos führen. Bei einem Modell, dass z. B. dem BaFin-Modell entspricht oder ähnlich ist, würde das bedeuten, dass mindestens mit den im Teil A dieses Rundschreibens genannten Parametern zu rechnen ist. Bei anderen Modelltechniken (z. B. gesamtheitliches VAR, RBC) ist sicher zu stellen, dass mindestens die im BaFin-Modell berücksichtigten Risiken in einer entsprechenden Ausprägung abgebildet werden. Die Einhaltung dieser Punkte wird ggf. durch die BaFin in regelmäßigen Zeitabständen überprüft.

Sollten die Ergebnisse dieser unternehmensinternen Stresstests ergeben, dass unterjährig Anpassungen der für das laufende Geschäftsjahr beabsichtigten Anlagepolitik (vgl. Rundschreiben R 29/2002 (VA) Teil B Nr. 1) vorzunehmen sind, so ist der BaFin hierüber unverzüglich zu berichten. Im Übrigen wird auf die Berichtspflichten nach Teil A Abschnitt IX 3 e) des Rundschreibens R 29/2002 (VA) verwiesen.

Bei kleineren Versicherungsunternehmen kann im Einzelfall nach Art und Umfang der Kapitalanlagen (z. B. keine direkt oder indirekt gehaltenen Aktien) und des Versicherungsgeschäftes (z. B. Personenversicherungen, bei denen die Verzinsung der Deckungsrückstellung in Höhe des Rechnungszinses durch Nettokapitalerträge oder mittels passivseitiger Reserven gesichert ist) mit Zustimmung der BaFin von der Durchführung der Stresstests ganz abgesehen werden. Die BaFin kann die Stresstests ebenfalls aussetzen, wenn sich der Versicherungsbestand eines Lebensversicherungsunternehmens ganz überwiegend oder ausschließlich aus Risiko- oder fondsgebundenen Versicherungen zusammensetzt.

Bereits erteilte Befreiungen von der Durchführung und / oder der Vorlage von Stresstests behalten nach Maßgabe des jeweiligen Befreiungsschreibens bis auf weiteres ihre Gültigkeit.


C. Erleichterungen für kleinere Versicherungsunternehmen bei der Aufstellung und Vorlage der Nachweisungen 670 und 671

  1. Befreiung für bestimmte kleinere Vereine

    Kleinere Vereine im Sinne des § 53 Abs. 1 Satz 1 VAG, die nach § 28 Nr. 4 BerVersV i. V. m. § 27 BerVersV von der Aufstellung und der Vorlage der Nachweisung 600 befreit sind, werden jeweils für das 1., 2. und 3. Quartal eines Geschäftsjahres von der Aufstellung und der Vorlage der Nachweisungen 670 und 671 nach dem Rundschreiben R 30/2002 (VA) befreit.

    Für diese Versicherungsunternehmen bleibt es daher für alle vier Quartale bei der Aufstellung und Vorlage der Anlage 10 zum Rundschreiben R 30/2002 (VA). Die Nachweisungen 670 und 671 sind zusätzlich nur für das 4. Quartal eines Geschäftsjahres einzureichen.

    Für das 4. Quartal kann keine weitere Erleichterung gewährt werden, da die inzwischen entfallene Nachweisung 102 BerVersV durch die Nachweisung 670 ersetzt wurde. Die Nachweisung 671 liefert zeitnah zum Geschäftsjahresende Angaben zur Bedeckung und zu den Zeitwerten der Kapitalanlagen nach den Kriterien der Anlageverordnung.

    Diese Erleichterungen für kleinere Vereine werden damit an die bestehenden Abgrenzungsmerkmale Brutto-Beiträge und Bilanzsumme nach § 27 BerVersV sowie Kapitalanlagen nach § 28 Nr. 4 BerVersV, die für andere Nachweisungen gelten, geknüpft.
  2. Befreiung auf Antrag

    Kleinere Versicherungsunternehmen, in der Regel kleinere Vereine im Sinne des § 53 Abs. 1 Satz 1 VAG, die nicht die in § 28 Nr. 4 i. V. m. § 27 BerVersV genannten Voraussetzungen erfüllen, können auf Antrag von der Aufsichtsbehörde bis auf weiteres von der Aufstellung und Vorlage der Nachweisungen 670 und 671 nach dem Rundschreiben R 30/2002 (VA) jeweils für das 1., 2. und 3. Quartal eines Geschäftsjahres befreit werden, wenn die Vorlage der Nachweisungen aufgrund der Kapitalanlagenstruktur und -strategie sowie der Bedeckungssituation des Unternehmens nicht geboten erscheint.

    Für diese Versicherungsunternehmen bleibt es daher für alle vier Quartale bei der Aufstellung und Vorlage der Anlage 10 zum Rundschreiben R 30/2002 (VA). Die Nachweisungen 670 und 671 sind zusätzlich nur für das 4. Quartal eines Geschäftsjahres einzureichen.[1]

    Für das 4. Quartal kann auch auf Antrag keine weitere Erleichterung gewährt werden, da die inzwischen entfallene Nachweisung 102 BerVersV durch die Nachweisung 670 ersetzt wurde. Die Nachweisung 671 liefert zeitnah zum Geschäftsjahresende Angaben zur Bedeckung und zu den Zeitwerten der Kapitalanlagen nach den Kriterien der Anlageverordnung.

    Diese Erleichterungen für kleinere Versicherungsunternehmen knüpfen an die Regelungen in der BerVersV an. Eine Entscheidung über eine Befreiung durch die BaFin wird sich an den unterschiedlichen Informationsbedürfnissen, die mit den einzelnen Nachweisungen verfolgt werden, orientieren.

    Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, den Turnus, in dem die Nachweisungen vorzulegen sind, zu verlängern, bspw. nur halbjährliche Vorlage.


D. Erstellung der Nachweisungen

Für alle Versicherungsunternehmen, die Nachweisungen nach der BerVersV oder weiteren Rundschreiben in elektronischer Form (Diskette) einreichen, gelten für die Erstellung der Meldungen 1-6 nach dem Rundschreiben R 3/2000 (Derivate-Rundschreiben) ab sofort auch die Vorschriften aus der Verordnung über die Berichterstattung von Versicherungsunternehmen gegenüber der BaFin (BerVersV), Anlage 2, Abschnitt C. Das bedeutet, dass künftig somit alle Unternehmen, die Nachweisungen elektronisch einreichen, auch die Nachweisungen 661 ff. elektronisch vorzulegen haben.


E. Inkrafttreten und Übergangsregelung

Dieses Rundschreiben tritt mit Zugang bei den Versicherungsunternehmen in Kraft.

Der Stresstest nach diesem Rundschreiben ist auf Basis der Bilanz des Geschäftsjahres 2003 bis zum 31.3.2004 vorzulegen. Bei Unternehmen, deren Geschäftsjahr vom Kalenderjahr abweicht, verschiebt sich der Vorlagetermin entsprechend.

Durch das Gesetz zur Umsetzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen zur Sanierung und Liquidation von Versicherungsunternehmen und Kreditinstituten sind alle Versicherungsunternehmen zur Bildung eines Sicherungsvermögens verpflichtet worden. In diesem Zusammenhang sind die Begriffe "Deckungsstockvermögen" durch "Sicherungsvermögen" und "übriges gebundenes Vermögen" durch "sonstiges gebundenes Vermögen" ersetzt worden. Die Bezeichnungen "Deckungsstockvermögen" und "übriges gebundenes Vermögen" zusammen mit den Abkürzungen "D" und "V" können bei der Verwendung der Formulare des Rundschreibens R 30/2002 (VA) bis auf weiteres beibehalten werden. Eine Anpassung des Rundschreibens R 30/2002 (VA) hierzu wird erst nach einer Änderung der Anlageverordnung für Versicherungsunternehmen erfolgen.


F. Aufzuhebende Rundschreiben

Teil C und Teil D Abschnitt I sowie die Anlage 5 des Rundschreibens R 30/2002 (VA) werden mit sofortiger Wirkung aufgehoben.


G. Rechtsbehelfsbelehrung

Gegen die unter Teil B enthaltene Verfügung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch erhoben werden. Der Widerspruch ist bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn, oder Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main, schriftlich oder zur Niederschrift einzulegen.

Der Widerspruch soll einen bestimmten Antrag enthalten sowie die Beschwerdepunkte und die zur Begründung dienenden Tatsachen und Beweismittel angeben.

[1]

Bei Versicherungsunternehmen, deren Bilanzstichtag nicht mit einem Meldestichtag für die Erstellung der Nachweisungen übereinstimmt, gilt als 4. Quartal eines Geschäftsjahres der dem Bilanzstichtag folgende Meldestichtag.

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